Zeehaen (Fluyt) 1639 Teil 07 26.05.2026 Bauzeit: 2025 – xxxx
Diesmal hat es nicht so lange gedauert bis sich wieder berichtenswertes angesammelt hat, und so führe ich meine Baubeschreibung weiter: Es war nun so weit, dass der mittlere Teil des Oberdecks auch beplankt werden konnte, und meine ganze Aufmerksamkeit wandte sich nun dem Bereich der Back zu.
Bevor nun hier die etwas abgesetzte Verlängerung des Oberdecks geschlossen werden konnte, mussten einige vorbereitende Arbeiten ausgeführt werden. Die Mastführung des Besanmastes sowie die Belüftungsluke waren vorzusehen, die Klüsen für die Ankerkabel waren hier auf Deckniveau angeordnet, und insbesondere das Gestell für das Widerlager des Sprietmastes musste noch mit dem Decksbalken verbunden werden; zumal dieses Gestell im darunterliegenden Deck verankert wurde. Ein besonderer Querbalken in der Back diente sowohl als Widerlager für die Kranbalken, wie auch als Stütze für die Knechte der Nagelbank auf dem Backdeck, die durch diesen Raum bis zu ihrer Verankerung auf dem unteren Deck ragen.
Um das Ankerkabel richtig verlegen zu können, musste natürlich das Bratspill schon vorher montiert werden, da das Ankerkabel um dieses gewickelt wurde und danach in der Back in Richtung Klüsen, nach außen verschwand.
Die Kabel wurden im vorderen Teil des Zwischendecks aufgerollt gelagert. Sie liefen dann durch eine Öffnung im Oberdeck zum Bratspill, umwickelten diesen einige Male, und verliefen dann durch die Back, über die Klüsen, nach außen zu den Ankern. Es zeigt sich nun, dass der verbleibende Raum in der Back, wenn auch noch der Sprietmast bis zu seinem Widerlager hineinragt, außerordentlich begrenzt ist.
Und doch musste ich hier auch noch die Kombüse, oder besser gesagt die Kochstelle, unterbringen. Der Bereich der Back ist bei meiner Lösung sowieso nicht aufrecht begehbar. Entsprechend eng wäre auch der Zugang zur Kochstelle, aber ich habe keine bessere Lösung. Bei einer Schiffsbesatzung von zwölf Leuten sollte das möglicherweise auch reichen. Anschauliche Beispiele zum Thema „niedrige Decks“ oder beengte Kochstellen (aufgeschnittenes Waterschip) kann man gut auf der Bataviawerft in Lelystadt NL finden. Aus Anschauungszwecken habe ich die Kochstelle mit Zugangsleiter als Kartonschablonen dargestellt. Der Rauchabzug würde direkt nach oben durch das Backdeck führen, aber das Referenzmännchen hätte in dieser (unmöglichen) Standposition schon arge Kopfschmerzen. Vielleicht hat jemand aus der geneigten Leserschaft noch eine Idee, wie man mit dieser Thematik umgehen sollte.
Etwas Platz entstünde wohl dadurch, dass man die Ankertaue vom Spill herunternimmt. Ich glaube nicht, dass (wenn überhaupt) mehr als eines direkt um die Spilltrommel lief. Wie will man bei dieser Konstellation nur einen einzelnen Anker ausrauschen lassen oder einholen? Ohne es für diese Zeit und dieses Schiff belegen zu können vermute ich, dass auch hier, wie auch beim Gangspill ein Kabellaar verwendet wurde. Außerdem würde ich max. zwei Ankerkabel aus der Kabellast heraus an Deck und zu den Ankern führen. Die übrigen blieben unter Deck und wurden erst bei Bedarf hervorgeholt.
bis denne Willi
Es ist nicht alles falsch, was man nicht versteht.
Hallo Willi, Danke für deine Stellungnahme zu meiner Belegung des Bratspills mit vier Kabeln. Du hast sicher recht, dass zwei installierte Kabelpaare zu viel sind. Ich werde also die Belegung des Spills auf ein Paar reduzieren. Allerdings auf den Gesamtraum bezogen, muss natürlich trotzdem der Platz für alle vier Kabel vorhanden sein. Zum Thema Ausrauschen der Kabel, schreibt Franz Amonn in seinem Artikel „Amstrong Patent Windlass (Pumpspill)“: „Zum Ankern wird die benötigte Kettenlänge an Deck geholt, über die Windentrommel gezogen und vor dem Spill in losen Buchten ausgelegt, so dass sie beim Fallen des Ankers frei ausrauschen kann.“ Dies gilt sicher auch für Ankerkabel. Beim Einholen des Ankers ist das Ankerkabel zwangsläufig stramm um die Spilltrommel gewickelt, und übt so durch die hohen Reibungskräfte seine Zugkraft aus. Währen ein anderes Kabel, das nur lose um die Trommel gelegt ist von dieser nicht bewegt ist. Möglicherweise wird deshalb ein Kardeel gar nicht benötigt. Viele Grüße Horst
Man kann die Ankerspills der „ Vorkettenzeit“ nicht mit Winschen für Ankerketten vergleichen. Auf der heutigen Ankerwinsch läuft die Kette aus dem Kettenspeicher über ein Kettenrad, daß mit seinen Zähnen in die Kette sowohl beim Ankerfallen als beim Aufholen eingreift, und das vom Winschmotor beim Aufholen angegetrieben wird. Wichtiges Bauteil ist dabei die Bremse, die den Anker auch beim Fallen bremsen kann oder auch ggf stoppt.
Die Bratspills hatten keine Bremse, und wurden m.E.nach nur zum Aufholen benutzt. Also wurde die Trosse zum Aufholen drei bis fünfmal um den Winschkörper geführt und dann konnte das Aufholen losgehen. Es gab keine Bremse, sondern nur Sperrklinken, die das Ausrauschen beim Holen und dem damit verbundenen Umsetzen der Spaken verhinderte. Bei den größeren Schiffen mit ihren Kapstans lief die Troß auch nicht über das Spill, sondern wurde mit dem Traveller/Kabelar, der übers Spill lief, geholt.
Fallen Anker ging wohl nicht mit Kabel auf der Winsch, sondern direkt aus der Klüse nach dem Loswerfen des Ankers. Ich denke, dass man den Anker fallen lies und dann mit der Winsch das Kabel auf Zug setzte damit sich der Anker im Grund eingrub und das Schiff hielt. Im Gegensatz zum heutigen Ankern, bei dem die Kette mit ihrem hohen Gewicht und einer Mindestlänge von drei bis fünffacher Wassertiefe vom Anker gesehen her auf dem Grund liegt, , ist die Kette das das Schiff haltende Teil . Der Anker selbst ist zwar ein ordentlicher Brocken hat aber mehr die Aufgabe die Kette aus der Klüse schön gerade auf Grund zu ziehen.
Zwei Trossen auf das Spill beim Holen zu legen scheint mir auch nicht schlüssig, da sich zum einen die passive Tross sich durch die Reibung auf der Welle, selbst wenn man sie entspannt, bekneifen würde. Außerdem wäre sie beim Umsetzen der Spaken schnell im Wege.
Beste Grüße Angarvater
To the optimist the glas is half full. To the pessimist the Glas is half empty. To the ingenieur it is twice. As big as it needs to be.
Auf der Helling „Witsen“, holländisches Pinassschiff,1671. Nach Plänen von Ab Hoving
habe durch Zufall eine interessante Variante der Kabelführung für dein Bratspill gefunden. Hier wird das nicht benütze Kabel an Haken locker aufgehängt. 11. Rigging Cutter Alert 1777 by Serikoff 2.0.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)
Liebe Modellbaukollegen, Vielen Dank für alle Antworten. Jeder hat die Sache für mich ein Stück weiter in Richtung Klärung gebracht. Willi hat verhindert, dass ich vor Begeisterung alle vier Kabel gleichzeitig auf die Trommel gebracht, und diese somit blockiert hätte. Angarvater hat das Auslaufen des Ankerkabels aus der, schon vorher ausgerollten Position zwischen Rolle und Klüse, und nicht von der Rolle, klargestellt. Robbi hat mir mit seiner Zeichnung das zweite Kabel, welches nur locker um die Trommel gelegt ist, gerettet. Denn zwei Kabel wollte ich auf jeden Fall zeigen, schon aus allein Symmetriegründen. Also noch einmal danke an alle und viele Grüße Horst