In unserer Vereinshütte nahe des Weihers stehen seit längerer Zeit 5 Modelle von einem verstorbenen Mitglied. Seine Kinder konnten nichts damit anfangen und haben sie "gespendet". Jetzt werden sie jeden Sonntag und bei jeder Veranstaltung am Teich aufgestellt und können von Zuschauern erworben werden. Bislang erfolglos.
Eins dieser Schiffe ist die "Dagmar Aaen". Peter hat immer nach dem gleichen Schema gebaut - wie wir anderen auch. Bei ihm bekamen die Segler einen Flautenschieber - in das wacklige Bergeboot wollte er nicht mehr einsteigen - und ein angesteuertes Ruder. Die Segel hat er halb angebrasst festgesetzt. Eigentlich schade, denn mit der Segelverstellung kann man höher am Wind segeln oder mit weit geöffneten Segeln eine plötzliche Bö abwettern. Peter hat immer wieder Baukastenmodelle zum Schwimmen gebracht. Wichtig waren ihm ein Spantengerüst und Holzleisten, kein Joghurtbecher. An dieses ursprüngliche Standmodell hat er ein vergrößertes Unterwasserschiff angesetzt mit schwerer Bleibombe. Das hier gezeigte Fahrmodell hat eine Rumpflänge von etwa 92 cm, eine Breite von ca. 20 cm und ist schwer wie ein Zementsack - nicht gut für ältere Semester. Ich habe im Internet keinen Baukasten der "Dagmar Aaen" gefunden. Es gibt da einen abrufbaren Plan für ein Kartonmodell vom MDK Verlag und im Arbeitskreis hat ein Dr. Matthias Anton eine "Buddelaaen" in einer Glühbirne verbaut. In der ModellWerft 2002, 4 erschien ein Bericht über den Untergang der "Dagmar Aaen". Dabei handelte es sich vermutlich um ein Modell. Peters Ursprungsmodell muss wohl einen anderen Namen getragen haben. An den Deckseinrichtungen hat er gespart, dafür hat er oben in der Ausguckstonne einen Stoffmatrosen gestellt. Die Stenge und der Klüver sind ansteckbar um das Modell im Auto transportieren zu können.
wird fortgesetzt
Jörg
Egal wie leer du im Kopf bist, es gibt Menschen, die sind Lehrer!
Und obendrein diente das Modell als Markenbotschafter für Jack Wolfskin . Am Dorfweiher erreicht man aber nicht die gewünschte Zielgruppe . Da wäre ein größeres Gewässer angemessener gewesen . Vielleicht das Steinhuder Meer ? Oder hat der Erbauer gar seine abgetragene Outdoorjacke in den Segeln vernäht ?
Viele Möchtegern Outdoor Freaks fühlen sich besser, wenn ein Arwed Fuchs mit diesem Logo durch die Hudson Bay segelt. Du bist auch einer aus dieser Zielgruppe? Dann entschuldige ich mich. Jedenfalls Du bist viel in der Natur tätig. Und nachhaltig. Natürlich braucht der Arved Sponsoren für sein Hobby. An mich denkt keiner. Der Erbauer war ein sehr freundlicher und gebefreudiger Kollege. Er hat mir was von seinem Segelstoff abgetreten.
Meine Phönix 2 mit echtem Modelldrachenvlies vom Peter.
Nach meinem Ausflug in die Bretagne will ich mich wieder der Seefahrt in der Nordsee zuwenden. Da fiel mir das Buch "Die Geschichte der Haikutter am Beispiel der Dagmar Aaen" von Niels Bach, Kiel 1992 in die Hände. Der Autor berichtet darin über die Snurrewade, die ersten gedeckten Kutter, die Motorisierung, die Umwandlung der "Dagmar Aaen" vom Motorkutter zur einmastigen Segeljacht, der maritimen Sozialarbeit mit Fürsorgezöglingen, und schließlich über den Einsatz als Expeditionsschiff. Auch der Spanten- und Seitenriss eines solchen Nordseekutters ist beigegeben. Im Buch fand ich noch ein Schmierzettel von mir mit den Umrechnungsangaben. Das geplante Modell wird 43 cm lang und 10 cm breit werden. Also wieder ein kleines Modell, diesmal mit zusätzlichem Antrieb. Den hatte die "Dagmar Aaen " von Anfang an.
Warum übernehme ich nicht das Hüttenmodell, super es ein wenig und bringe es wieder in Fahrt?
Diese "Dagmar Aaen" ist mir zu groß und zu schwer. Manche meiner Kollegen haben mittlerweile ihr Modell in der Garage stehen, laden dort die Akkus und schleppen es nur noch die Treppen hoch, wenn größere Reparaturen anfallen. Nein, gerade im Alter sollte man leichte Modelle bauen, ich komme inzwischen ohne Innenballast aus. Außerdem baue ich gerne und habe da meinen Maßstab - 1 : 35!
Und so sah der Haikutter aus auf seiner Repräsentationsfahrt im April 1931. Die Segelfläche war gegenüber einem reinen Segelkutter deutlich reduziert. Sie sollte die Schlingerbewegungen dämpfen und bei Ausfall der Antriebsmaschine eine gewisse Manövrierfähigkeit gewährleisten. Das Deckhaus mit dem Steuerstand war ebenfalls von Anfang an vorhanden, im Bugbereich sehen wir den Schornstein der "Vorstube" Hier befand sich der Herd, im Vorunter war die Kajüte mit zwei Doppelstockkojen - mit individuellen Schiebetüren. Auf dem Vordeck war die halb umgekippte Jolle verstaut. Die Ketsch war voll motorisiert und zwar mit einem Tuxham Einzylinder Glühkopfmotor, der etwas über 60 PS leistete. Gestartet wurde der Motor mit einer Patrone, nicht mit einem elektrischen Anlasser oder mit Druckluft. Die Kennung zeigt, dass die "Dagmar Aaen" in Esbjerg registriert war.
Gruß Jörg
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Dänemark im 19. Jahrhundert. Im 19 Jh. erlebte Dänemark einige Niederschläge. 1801 verlor es seine Kriegsflotte und als Folge wurde die nun schutzlose Handelsmarine geschwächt, 1864 entwwickelte sich durch den Sprachen- und Nationalitätenstreit der deutsch-dänische Krieg. Dänemark musste die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg abtreten. Es verlor damit alle westlichen Häfen an der Nordseeküste. Die Industrialisierung setzte erst spät ein, lange blieb das Land noch eine Agrargesellschaft. Die Bauern in den küstennahen Orten waren Nebenerwerbsfischer, der Ertrag war für den Eigenbedarf. Man fischte in offenen Booten mit Reusen, Langleinen oder Netzen. Auch der Fischfang vom Strand aus mit der Zugwade war üblich. Der Viehtreiber und Gelegenheitsfischer Jens Vaever machte um 1848 eine folgenreiche Erfindung, die Snurrewade. Die Engländer nannten sie "danish seine"
Hier wird die eine Zugleine an einer Boje festgemacht und das Boot fährt einen Kreis, wobei das Netz ausgebracht wird. Dieses sinkt auf den Meeresboden. Wieder bei der Boje angekommen, wird die befestigte Zugleine aufgenommen und das Boot fährt eine Strecke vorwärts. Das Netz zieht sich zusammen und kann nun eingeholt werden. Dafür wird das Boot verankert. Diese Methode kann nur bei einem relativ flachen und ebenen Meeresboden eingesetzt werden. Gegenüber der Schleppnetzfischerei müssen viel mehr "Hols" ausgeführt werden, dafür sind die gefangenen Fische in besserem Zustand, da der Fangsack nicht prall gefüllt ist. Bei der Snurrewade wird das Netz zum Boot gezogen, bei der Tawlfischerei wird es vom Boot geschleppt. Man braucht keinen so starken Antriebsmotor und zerstört nicht den Meeresgrund. Das geschieht nämlich beim Einsatz des Grundschleppnetzes mit Kurrbaum, Ketten und Gewichten, auch die Scherbretter fallen weg. Zum Einholen der 1500 bis 3000 m langen Zugleinen und des Netzes benötigt man wirksame Winden. Diese stehen um 1890 mit dem Einsatz von Dampfmaschinen und später mit der Verwendung kleiner Glühkopfmotoren zur Verfügung. Diese Kraftquellen können für den Antrieb und mittels Vorgelege für die Netzwinden eingesetzt werden. Auch die Anker werden damit gezogen. Dänemark wird zu führenden Nation bei der Entwicklung kleiner, unkomplizierter Schiffsmotoren - Alpa, Bolinder, Callesen, Dan waren die Hersteller. Der Kopenhagener Firma Tuxham gelingt die Entwicklung eines verbrauchsarmen und standfesten Glühkopfmotors nach dem Zweitaktprinzip. Diese Motoren sind Langsamläufer, sodass sich die Untersetzung der Drehzahl für die Schraube erübrigt.
Gruß Jörg
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Der typische dänische Fischkutter wurde vom Eigner geführt. Fisch wurde während der Industrialisierung zu einem wichtigen Nahrungsmittel für die ärmeren Bevölkerungsschichten . Mit dem Bevölkerungswachstum, der Urbanisierung und dem Ausbau des Straßen- und Eisenbahnnetzes wuchsen der Bedarf und die Möglichkeiten des Vertriebes. Es entstanden mit dem Bohusländer Rundgattkutter- sie entsprachen den schwedischen Bankschuten - geeignete Fischereifahrzeuge, siehe Bild 1. Sie waren relativ breit ausgelegt, hatten aber dennoch ausgesprochen scharfe Linien im Unterwasserschiff. Die Konstruktionen von Colin Archer oder Eggert Benzon gehören zu dieser Schiffsfamilie. Bis 1930 waren diese Schiffe meist geklinkert. Ein so gebauter Kutter liegt viel ruhiger im Wasser als ein Fahrzeug mit Karweelbeplankung, denn die Kanten dämpfen Schlinger- und Stampfbewegungen.
Eine zweite Schiffsfamilie bildeten die dänischen Haikutter. Sie kamen zu dieser Bezeichnung, da sie sehr effektiv waren und wie Haie über die Fischbestände herfielen. Das Vorbild waren die englischen "fishing smacks" - Bild 2 - , die oft vor der jütländischen Küste anzutreffen waren. Mit ihren schmalen, scharfen Linien, dem geringen Decksprung und dem senkrechten Vorsteven waren sie vorzügliche Segler, dazu schnell und seetüchtig. Leider waren sie auch recht "nasse" Schiffe, da das Vorschiff wenig Reserveverdrängung aufwies. Manche dieser Smacks waren als Anderthalbmaster getakelt. Die Schleppnetzfischerei war für die Verbände der Schiffe sehr belastend. Bei der Grundsanierung der oben gezeigten Smack "Leslie und Nellie" musste das ganze Heck neu gezimmert werden, da es nach 30 jährigem Schleppeinsatz völlig verzogen war.
In Bild 3 sehen wir einen solchen dänischen Haikutter. Gegenüber der englischen Smack ist die Form etwas völliger, besonders im Bugbereich. Diese Kutter erhielten einen kräftigeren Sprung, der Vorsteven ist etwas gekrümmt. Der deutsche Fischereiverein veröffentlichte 1904 eine Informationsschrift "Seefischereifahrzeuge und -boote ohne und mit Hilfsmaschinen" in der er die Mängel der deutschen Fahrzeuge beschreibt und eine Orientierung an dänische Vorbilder vorschlägt. Die "Dagmar Aaen" entspricht weitgehend dem in Bild 3 dargestellten Benzon Entwurf. Sie war viele Jahrzehnte ein Anderthalbmaster, aber mit reduzierter Besegelung.
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Moritz Aaen wurde 1884 in Nordjütland in der Nähe von Frederikshavn geboren. Er hatte 12 Geschwister, von denen einige nicht das Erwachsenenalter erreichten. Sein Vater war Kleinbauer und Nebenerwerbsfischer. Er durchlebte Armut und Entbehrung. Im Alter von 11 Jahren wurde er das erste Mal "für den Sommer" bei einem Großbauern angestellt. Der Arbeitsalltag war hart. Zu Hause lernte er die Netzbinderei, das wurde später sein Beruf. Als Frederikshavn um die Jahrhundertwende seine Bedeutung als führender Fischereihafen verlor, zog er in den Südwesten von Jütland in das neu angelegte Esbjerg. Hier entstand ein neuer Seehafen für die Ausfuhr von Butter und Fleisch, für die Marine und für die Fischerei. Begünstigt wurde diese Boomtownentwicklung durch die Entdeckung großer Schollenbestände im Westen bei Horns Riff. Die Aufbruchsstimmung nach dem verlorenen Krieg von 1864 wurde von einem starken lutheranischen Arbeitsethos getragen; Gott ist für Leistung. Um 1910 waren bereits 123 Fischkutter in Esbjerg registriert und jedes Schiff ernährte an die 40 Menschen zusätzlich zur Besatzung. Das waren Schiffszimmerleute, Schmiede, Monteure, Reepschläger, Fischhändler, Netzbinder, Segelmacher , Hafen- und Fabrikarbeiter, Beamte, Motorenbauer, und letztlich auch Bäcker, Metzger, Schulmeister und Pfarrer. Moritz Aaens Netzbinderei machte Profit, 1908 heiratete er eine Seemannstochter, ihr Name war Dagmar. Im 1. Weltkrieg war Dänemark neutral, versorgte die kriegsführenden Mächte auf beiden Seiten mit Fisch und Agrarprodukten und verdiente gut. Nach 1920 ließ Moritz Aaen seinen ersten Haikutter auf der Esbjerger Werft von N.P. Jensen bauen. Schließlich waren es 5 Fahrzeuge. Der Fischersohn und Netzbinder war zum Reeder und Unternehmer geworden. Die Liegezeiten seiner Schiffe waren kurz, durch die Kombination von Netzbinderei und Reederei standen immer neue oder ausgebesserte Waden zur Verfügung. Moritz Aaen forderte viel von seinen Männern, er bezahlte sie gut nach den Fangergebnissen. Viele Fischer arbeiteten viele Jahre unter seiner Oberaufsicht, die "Dagmar Aaen" hatte in den 29 Jahren seiner Reederschaft nur zweimal den Kapitän gewechselt. In der Regel waren 4 Mann an Bord; der Skipper, der Bestmann, der "Trediemand" (dritte Mann) und der Junge. Eine Fangreise dauerte bis zu 2 bis 3 Wochen, wobei man in England anlandete. Unter den Aaenkuttern herrschte ein harter Wettbewerb, mit Belohnungen wurden die Skipper vom Reeder zu Höchstleistungen angetrieben. Die einlaufenden Schiffe mussten aufgeklart und sauber sein, wenn sie den Heimathafen erreichten, sonst wurde der Senior bei der unvermeidlichen Inspektion sehr laut und wütend.
Ein früher Esbjerger Kutter mit voller Besegelung, Eine Karte mit Frederikshavn und Esbjerg (anklicken, dann steht es richtig rum), eine zeitgleiche ostfriesische Schaluppe, die vom Kurs abgekommen ist.
Die Seefischerei war gefährlich und kräftezehrend. Viele Fischer litten an der lästigen Seekrankheit, die oft psychische Ursachen hat, Arbeitsunfälle traten häufiger auf als in anderen Berufen, dazu kam noch die körperliche Abnutzung durch das Schleppen schwerer Lasten, durch Kälte und Nässe. Schlechte Auswirkungen hatten das übermäßige Rauchen und Kaffetrinken bedingt durch die stressigen Arbeitssituationen. Magengeschwüre waren häufig die Folge . Der Einsatz von technischen Hilfsmitteln minderten die körperliche Schinderei, dennoch waren die Arbeitsbedingungen auf diesen kleinen Fahrzeugen sehr hart. Nach dem Fang mussten die Fische ausgenommen und im Laderaum auf Eis gestaut werden. Schon bald stand der nächste "Hol" an. Als Navigationsmittel standen dem Skipper Kompass, Seekarten, Zirkel, Parallellineal, Uhr und das Handlot zur Verfügung. Mit ihm konnte nicht nur die Wassertiefe festgestellt werden, eine Vertiefung an der Unterseite wurde mit "Lotspeise" (Talg/Fett) gefüllt und gab Aufschluss über die Beschaffenheit des Meeresboden. Ein erfahrener Fischer erkannte dadurch die augenblickliche Position des Schiffes. Später kamen Sprechfunksender und Funkpeiler hinzu. Die Schiffe der Aaen Flotte waren gut gepflegt. Bis zu drei Mal pro Jahr wurden sie auf Slip gesetzt, alle 10 Jahre wurde das abgenutzte Deck erneuert.
Gruß Jörg
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Die deutsche Besetzung Dänemarks im Frühjahr 1940 brachte einschneidende Veränderungen. Der Kapitän der "M. Aaen" floh mit Schiff und Mannschaft nach England, so wie weitere 110 dänische Kutter. Die anderen bekamen Gebiete zugewiesen, wo sie fischen durften, aber ständig von treibenden Minen bedroht waren. Sie wurden von englischen Fliegern beschossen, auch von deutschen, wenn sie sich außerhalb der ausgewiesenen Fanggebiete befanden. Dann wurde vermutet, dass sie Partisanen und Agenten beförderten oder Waffen schmuggelten. Die Verknappung des Brennstoffes führte zur Umstellung auf Holzvergaseranlagen, auch wurde die Besegelung wieder vergrößert. Im Herbst 1944 beorderte Moritz Aaen seine Flotte in das abgelegene Skive, wo die Kutter aufgeslippt wurden und so das Kriegsende überdauerten. Nach dem Krieg nahmen die verbliebenen Fischkutter ihre Tätigkeit wieder auf und wurden mit Echolot, Autopilot und Radar aufgerüstet. Sie hatten aber keine Zukunft mehr. Ihre Größe - 20 - 50 BRT- war ungünstig, der Trend ging zu Kunststoffkleinkuttern oder zu Superfängern. Um 1960 löste Moritz Aaen seine Reederei auf und verkaufte die Schiffe an die Kapitäne. Die "Dagmar Aaen" wurde von Johannes Knak übernommen, der sie bis 1976 führte. Er fuhr gemeinsam mit einem 60 jährigen Kapitän und Kutterliebhaber, junge Leute blieben nicht lange auf dem "primitiven" Holzschiff. Sein eigener Sohn war auf einem Kutter tödlich verunglückt, schließlich verkaufte er krankheitsbedingt das alte Schiff.
Es wurde von dem studierten Schiffsenthusiasten Nils Bach übernommen, der es zum Jacht umriggen ließ. 11 Jahre lang führte er Charterreisen in Ost- und Nordsee durch. Sein Klientel waren Jugendliche, die Teamwork, Abenteuer, Natur und Ich-Stärkung erfahren sollten. Die "Dagmar Aaen" war zu einer schwimmenden sozialpädagogischen Einrichtung geworden. Meine älteste Enkeltochter, Jahrgangsstufe 12, hat im letzten Jahr eine solche Reise mit ihrem Leistungskurs auf einem Traditionssegler mitmachen dürfen (1). Ihre Bewertung war: kalt, nass, langweilig, total uncool. Wenigstens hat das Internet funktioniert, wie man auf Bild 2 sehen kann. Es wäre an der Zeit, dass mal Mitglieder aus unserem Forum eine solche Erlebnisreise wahrnehmen täten!
Bild 3 ist eine Gruppenaufnahme an Bord der schwedischen Postjacht "Merkurius". Ganz rechts der Langzeitpassagier, wo eine Sozialisationstherapie erfährt. @Tarjack Es ist erstaunlich, dass schon damals die öffentliche Hand solche Maßnahmen unterstützte.
Für Altschiffeigner Bach waren diese Fahrten finanziell und familiär unbefriedigend. Auch plagte ihn die ständige Sorge um den alten Tuxham Motor, um behördliche Auflagen zur Anzahl der Fahrgäste und den Erhaltungszustand des Kutter, sodass er schließlich potentielle Käufer suchte. Er kam in Kontakt mit dem Forscher Arved Fuchs, der ein Expeditionsschiff suchte. Sie wurden handelseinig, der Kutter wurde entsprechend umgebaut; neuer Motor, Hilfsdiesel, Eisverstärkungen, Abbau des Ruderhauses.
(1) Plattbodenschiff "Waterwolf" ex "Joma" erbaut 1899, L. 35,5 m, B. 6,25 m, 26 Gäste in Zweibettkabinen, Heimathafen Enkhuizen, Fahrgebiet Wattenmeer/Ijsselmeer. Preis 257 € pro Person bei Vollauslastung für Kurzwoche (So. - Fr.). Ob Verpflegung inklusive ist, habe ich nicht erkennen können. Anmerkung: Enkelin berichtet, sie hätten selbst gekocht. Vermutlich wurde das dann auch gegessen. Gruß Jörg
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Hallo! ich will ja nicht meckern, aber die Schaluppen haben auch auf der Amrun-Bank gefischt. Aber soweit wäre diese Schaluppe nicht gekommen. Die Fischereiaufsicht hätte sie wegen falscher Beschriftung nach Hause geschickt. Auch ein "Lehrer" weiss nicht Alles. mfG Siegfried
Arved Fuchs ist inzwischen 72 Jahre alt. Seine Glanzzeit als Polarforscher ist vorbei, aber er ist weiterhin mit der "Dagmar Aaen" unterwegs. Seit 2015 führt er Ocean Change Expeditionen durch. An Bord sind etwa 10 Wissenschaftler, oft Doktoranten, die den Klimawandel dokumentieren.
Höhepunkte in seiner Forscherleben waren 1983 die Durchquerung Grönlands mit Hundeschlitten (für die Ausrüstung) und zu Fuß. 1989 erreichte er als erster Deutscher den Nordpol zu Fuß, im gleichen Jahr erwarb er den Kutter. 1989 durchquerte er gemeinsam mit Reinhold Messmer die Antarktis in 92 Tagen und erreichte dabei den Südpol. Bei dieser Expedition zog jeder von ihnen einen 130 kg schweren Schlitten mit Ausrüstung und Nahrung. Menschlich hat dieses Abenteuer die beiden nicht näher gebracht, sie sind beide "Alphatiere". Messmer brauchte den gelernten Seemann für die astronomische Standortbestimmung und für den Funk. Zu dieser Zeit gab es weder GPS noch Satellitentelefon. Mit der "Dagmar Aaen" gelang ihm die Bewältigung der Nordwestpassage (1995 und 2004) und im vierten Versuch auch die Nordostpassage um Russland ( 2002). Viele weitere Polarfahrten folgten und das Schiff überstand so manche Gefahrensituation. Inzwischen - 2025- ist es 94 Jahre alt.
Meine Intention ist es eine "Dagmar Aaen" im Maßstab 1 : 35 als ferngesteuertes Modell zu bauen. Es wird nur eine Annäherung an das Original sein können. Ich verwende den in Beitrag 3 gezeigten Plan, die Decksaufbauten werden nach Fotos entstehen. Das Mallengerüst wird wieder kopfüber auf einem Hellingbrett aufgestellt werden. Bild 2 stellt den geplanten Haikutter dar, Bild 3 eine englische Smack. Vor ihr sind die dänischen Haikutter abgeleitet. Grundsätzlich sind die Linien und Formen ähnlich. Der Rumpf des dänischen Kutters ist höher gebaut und das Vorschiff ist völliger, der Vorsteven gerundet. Der Fall des Heckstevens und der leichte Kielfall stimmen weitgehend stimmen überein. Die Smack hat ein Rundgatt, der Haikutter einen mehr ovalen Heckabschluss. Meine Zugriffsöffnung wird vermutlich das vertiefte Deckhaus im Achterschiff sein. Gruß Jörg
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Ich will das Expeditionsschiff nachbauen. So, wie es 1988 umgebaut wurde. Aber das gelingt mir nicht. Aus verschiedenen Gründen.
1. Der Haikutter ist 18 m lang und 4.80 m breit. Der Koeffizient beträgt 3,75. Um das beim Modell zu erreichen, müsste meine "Dagmar Aaen" 44 cm lang sein oder 12,5 cm breit. Mein Esbjerghaikuttermodell nach Plan ist aber 49 cm lang und 11.5 cm breit. 2. Ich müsste auf dem Schiff sein, die Aufbauten vermessen, viele Fotos machen. So habe ich nur einige Bilder im Internet und schätze die Abstände, Längen und Höhen. 3. Ein Bauplan gibt es nicht, jedenfalls nicht öffentlich. 4. Das Expeditionsschiff wurde auch nach 1988 weiter umgebaut. So war das Steuerrad zuerst an einem Kasten befestigt und befand sich direkt über dem Ruderschaft. Den Kasten gibt es nicht mehr. Heute befindet sich das Steuerrad am hinteren Abschluss des eingelassenen Deckhauses und zwar auf der Backbordseite. Rechts daneben ist der Ausstieg mit der Schiebeluke.
Andere würden den Bau abbrechen, weil vieles nicht stimmig ist. Ich bin bescheiden und baue meine eigene "Dagmar Aaen". So wie mein verstorbener Teichkollege - siehe Beitrag 1.
Gruß Jörg
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Im Jahr 2009 führt Arved Fuchs die Expedition "North Pole Dawn" durch. Er ist auf der Suche nach historischen Funden, untersucht die Klimaveränderung und den Rückgang des Packeises. Hier befindet sich die "Dagmar Aaen" vor Sabine Island. Die Tundralandschaft hat sich durch die Erderwärmung bereits gehörig verändert. Im Hintergrund steht die Steinfigur eines Inuit. Sie soll an die wundersame Rettung der 6 Überlebenden der Greely Expedition erinnern. Oberleutnant Adolphus Washington Greely, US Army, Bürgerkriegsteilnehmer - drei Schlachten, drei Verwundungen-, führte mit 23 Armeeangehörigen von 1881 bis 1884 eine erste wissenschaftliche meteorologische Expedition in der Arktis durch. Auf Ellesmere Island, westlich von Grönland wurde eine Forschungsstation eingerichtet, das Fort Conger. Als 2 Jahre hintereinander die Versorgungsschiffe nicht durch das Packeis gelangen konnten, brach Greely mit 3 Schaluppen und seinen Männern nach Süden auf. Sie hatten Vorräte für 40 Tage. Die Gruppe schmolz zusammen, der Rest erreichte Sabine Island. Darunter auch der aus Chemnitz stammende Soldat Private Roderich Schneider, der Tagebuch führte. Er starb an Skorbut und Entkräftung, das Tagebuch wurde später veröffentlicht und ist ein wichtiges Zeitzeugnis. Roderich Schneider wurde schließlich auf dem städtischen Friedhof in Chemnitz begraben. @Marten Ein Walfangschiff entdeckte die Überlebenden, die im Begriff waren ihre Schuhe zu verspeisen. Es soll auch bei dieser Expedition zu Fällen von Kannibalismus gekommen sein, von denen Greely jedoch keinerlei Kenntnis hatte. Die Geretteten wurden in den USA als Helden empfangen. Greely erreichte schließlich den Rang eines Generalmajors.
Es handelt sich hier auch um eine Wasserprobe. Das Modell ist etwas schwerer geworden als vorgesehen. Es ist schmal und hat wenig Verdrängung. Ich habe da aber noch eine leichtere AKF.
Gruß Jörg
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Schön, dass du gesucht und gefunden hast. Erschütternd diese Tagebuchaufzeichnungen. Verhungert sind sie. Die Eintragungen im Tagebuch konzentrieren sich in der Endphase auf Sabine Island auf die Nahrungsbeschaffung: wer was und wieviel gesammelt, gejagt, gefischt oder geschossen hat. Auch erwähnt er, wer wieder gestorben ist. Alle anderen Aspekte des Lebens sind zweitrangig. Private Schneider starb 4 Tage vor der Ankunft des Walfängers. Jörg
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