Es gibt ihn nicht mehr. Im 18. und 19.Jahrhundert wurde er fleißig gebaut. In Kinsale, das liegt an der Ostküste Irlands, waren ca. 4000 Menschen direkt am Fischfang beteiligt und 1500 weitere Personen durch Nebentätigkeiten wie Bootsbau, Reepen von Seilen, etc. Um 1890 wurde er durch Nobbies ersetzt. Diese waren größer, seetüchtiger und führten Luggersegel. Sie konnten auch mit Schleppnetzen fischen, während Hooker mit Langleinen den Fischfang ausführten. Der Name Hooker weist darauf hin; hier wurden Haken verwendet. Das Boot wurde für die Küstenfischerei verwendet und war das Fahrzeug armer Leute; Fischer, die sich die Anschaffung und Instandhaltung eines Netzes nicht leisten konnten. Der Kinsale Hooker entstand in der Mitte des 17. Jahrhunderts und war wohl nach niederländischen Vorlagen gebaut. Kinsale ist eine irische Kleinstadt südlich von Cork. Hier mündet der Fluss Bandon in die Celtic Sea und die Segler können im Flussbett vertäut werden ohne bei Ebbe trocken zu fallen. 1602 kam es bei Kinsale zu einer historisch bedeutenden Schlacht. 7000 spanische Soldaten waren angelandet worden und unterstützten die aufständischen irischen Lords gegen die britischen Invasoren. Das begab sich während der Regierungszeit von Königin Elisabeth I. und nach der Armadaschlacht (1588). Die Aufständischen und ihre spanischen Verbündeten wurden geschlagen. Im Anschluss schützten die Briten den großen Naturhafen vor Kinsale mit zwei gewaltigen Forts um eine erneute Invasion zu verhindern. Es waren die sternförmige Anlage Fort Charles und das Bollwerk Fort James in Form eines Pentagons. Mit dem Festungspersonal wuchs die Bevölkerung, die Ehefrauen und Kinder der Soldaten ließen sich im Ort nieder, Kneipen und Freudenhäuser entstanden, Handwerker und Dienstleister wurden angezogen. Sie alle mussten mit Nahrung versorgt werden und dafür waren auch die Fischerboote zuständig. Während in der Zeit zuvor hauptsächlich mit den traditionellen Currachs (1) gefischt worden war, wurden nun die schnellen und kurstreuen Hooker eingesetzt.
Bild 1: Reste von Fort Charles. Die Anlage wurde um 1920 während des irischen Unabhängigkeitskampfes verwüstet. Das Fort hatte keinerlei militärische Funktion mehr, war aber ein Zeichen der verhassten britischen Unterdrückung. Bild 2: Kinsale Hooker, Segelplan
Gruß Jörg
(1) offene Ruderboote. Sie bestehen aus einem leichten Holzgerippe über das Tierhäute oder Leinwand gespannt wurde. Zur Abdichtung wurde die Außenhaut mit Teer bestrichen.
Egal wie leer du im Kopf bist, es gibt Menschen, die sind Lehrer!
Die Hooker trugen immer ein Gaffelsegel und 2 Vorsegel. Wie bei den Curraghs war der Rumpf schwarz geteert, als Verzierung diente ein roter oder weißer Längsstreifen. Die Segel waren rostrot durch die eingesetzten Gerbmittel. Das kleine Schiff war maximal 13 m lang und 3,6 m breit. Die Werftarbeiter bekamen neben ihrem kargen Lohn 3 Gläser Whiskey pro Tag. Die Segel und Taue wurden von den Fischern beigesteuert, wobei die Frauen die Segelbahnen in Heimarbeit webten. Die Frauen und Kinder waren auch für das Ausgraben der Wattwürmer zuständig, die als Köder verwendet wurden. Auch das Fleisch von Muscheln wurde als Köder eingesetzt. Gefischt/geangelt wurden Makrele, Steinbutt, Kabeljau, Schellfisch und Scholle. Salz war sehr teuer und kostbar, sodass der Fang bald verzehrt werden musste. Räuchern war nur eingeschränkt möglich, da Irland weitgehend entwaldet war und nur Torf als Heizmittel zur Verfügung stand. Ein Hooker war mit maximal 5 Mann besetzt und musste 2 - 3 Familien ernähren. Um die Kosten zu mindern, wurden die Söhne schon früh an Bord genommen. Gefischt wurde in der Bucht und im küstennahen Bereich, der Einsatz auf dem Meer war mit den offenen Booten gefährlich. Die schnellen und durch den starken Kielfall kurstreuen Hooker wurden auch als Freizeitboote eingesetzt. So verwendete der schon 1770 gegründete Water Club of Cork diesen Schiffstyp. Die Schiffe waren von den gleichen Bootsbauern gefertigt worden, die auch die Fischerboote herstellten und somit baugleich. Zahlreiche Fischer beteiligten sich mit ihren Hooker an den Regatten, denn die ausgelobten Preisgelder waren verlockend. Um 1890 waren die küstennahen Gewässer durch Trawler mit ihren Grundschleppnetzen leergefischt und für die Hooker gab es keine Verwendung mehr. Sie wurden aufgelegt oder zerschlagen um Feuerholz zu gewinnen. Ein Kinsale Hooker ist jedoch erhalten geblieben. Es ist ein 72 cm langes Modell, das sich im National Museum in Dublin befindet. Das Modell wurde wohl um 1860 gefertigt und war für eine Ausstellung bestimmt. Von diesem Modell hat ein P. Tanner 2011 Pläne im 3 D laser scanning Verfahren erstellt, die im Internet verfügbar sind. Wer dort nach Kinsale Hooker sucht, sollte gewappnet sein, denn er landet bei Angeboten, die einen angejahrten Schiffsliebhaber verstören. Das Wort Hooker hat nämlich 2 Bedeutungen: a) ein Fischerboot für Leinenfang mit Haken, b) Freudenmädchen. 2011, nach der Veröffentlichung der Schiffspläne, entstand in Kinsale eine Vereinigung, die sich Kinsale Hooker Project nannte. Die Zielsetzung war es einen Hooker in Originalgröße zu bauen und ihn in der Bucht und bei maritimen Events einzusetzen. Dadurch sollte der Fremdenverkehr gefördert werden. Heute, 14 Jahre später, hat diese Privatinitiative immer noch keinen Hooker verwirklichen können.
Bild 1: Museumsmodell bei der Renovierung Bild 2: Karte mit Cork, Kinsale ist direkt unterhalb, wo der Kreis ist. Das eingekreiste Galway brauchen wir dann später.
Gruß Jörg
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So, ich habe die Risse vergrößert und kann baulich anfangen. Es taten sich Probleme auf. Der Kinsale Hooker war ein kleines Schiff - Länge 12,3m, Breite 3,6 m - und er war offen, bzw. halbgedeckt.
1. Ich habe ihn vergrößert. Mein Modell ist 36 cm lang, gerade ausreichend, dass es noch vernünftig segelt. Im Original wären das 13,6 m gewesen, noch vertretbar. 2. Ich werde ein Deck einziehen. Das hat es auch gegeben.
Das Bild zeigt weitere Probleme. Ich baue das Modell wieder über Kopf auf einer Helling. Durch den starken Kielfall hat jede Malle eine andere Länge. Ich habe die Wasserlinie als Bezugslinie genommen und mit dem Stechzirkel die unterschiedlichen Längen ermittelt.
Unser Emily hat mich auf den Hooker angesetzt. Der ist wieder daran schuld an all den Schwierigkeiten.
Gruß Jörg
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Der Kinsale Hooker ist zwar seit 135 jahren verschwunden, aber seine jüngere Ausgabe, der Galway Hooker erfreut sich großer Beliebtheit. Galway ist ein Ort an der Westküste (siehe Karte in # 3) in der Claddagh Bucht. Vorgelagert sind die Aran Inseln, nördlich liegt Connemara, heute ein Nationalpark mit endlosen Torfmooren und tiefen Seen. Südlich befinden sich die spektakulären Cliffs of Moher. @Marten Der Galway Hooker hatte von Anfang an 2 Funktionen. Er war ein Fischerboot (Fang mit Langleinen) und ein Transportschiff. Torf als Heizmaterial, Vieh und Personen wurden zu den Aran Inseln gesegelt. Als Rückfracht wurden Kalksteine geladen. Diese wurden zerschlagen und in die sauren Böden bei Galway eingebracht um die Böden zu neutralisieren. Durch diese Doppelfunktion konnten sie länger in Fahrt bleiben und einige wurden zu Freizeitbooten umgewandelt. Die Nachfrage nach diesen formschönen Fahrzeugen stieg, alte Bootsbauer schulten junge Kräfte, die Schiffe trafen sich bei maritimen Festivitäten und bei Regatten. Heute gibt es eine große Anzahl dieser Galway Hooker, alle mit geschlossenem Deck und diversen, manchmal unproportionierten Deckshäusern.
Bild 1: Galway Hooker Bild 2: Modell eines Galway Hookers, das Boot hatte ein angehobenes foredeck, der übrige Teil war offen.
Gruß Jörg
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