Trotz der Hitzewelle ist es mir gelungen, den Schoner "Nancy" auf zu riggen. Alle Segel wurden sanft angeschlagen. Auch die Besatzung wurde aufgestellt. Die Neugier war groß - was kann sie, was kann sie nicht?
Ich werde nichts ändern müssen, der Schwenkbereich des Drehmastes ist groß, der Ausschlag des Ruders nach beiden Seiten ist gut. Mit der wiederholten Betätigung des Ruders kann das Modell gedreht werden. Bei der Rudervergrößerung habe ich gespart, es ist das Teil von der 1711 Sloop. Diese hat die gleiche Besegelung und die gleiche Größe. Unterwegs waren auch die "Diana/Hamilton" vom Ontariosee und die indonesische Pinisi. Die hatte mir mal ein Kollege versenkt. Drei Tage und Nächte verweilte sie auf dem Grund des Maßgrundweihers. Eine tragische Malaise. Diese Pinisis waren "Schönwettersegler". Sie hatten praktisch keinerlei Reling und waren als Frachtsegler immer zwischen den Inseln unterwegs. Kam Sturm auf, suchten sie sich einen geschützten Ankerplatz oder verzogen sich in den Schutz einer Insel. 100_7475.JPG - Bild entfernt (keine Rechte)100_7479.JPG - Bild entfernt (keine Rechte)100_7486.JPG - Bild entfernt (keine Rechte)100_7490.JPG - Bild entfernt (keine Rechte)
Egal wie leer du im Kopf bist, es gibt Menschen, die sind Lehrer!
Wir sollten wieder lernen, aus der Freizeit Muße zu machen. (Otto Flake, Schriftsteller)
In der Werft: Marina - span. Fischerboot Mitte 20. Jahrhundert , RC In der Planung: Seeadler, Belem, Padua, RC-Krabbenkutter,RC - franz. Seenotretter etc.......... In der Flotte: HMS Snake, Cruiser Class 1797, Vanadis, chin. Dschunke, S100 (deutsch. S-Boot), Poseidon (peruan. Schlepper), etliche Speedboote aus Holz, Black Pearl (RC-Plastik-Segler),Grönland, Jagt
Wie immer - wunderschöne Photos. So sollten Schiffe eigentlich immer abgebildet sein - in ihrem Element!
Zitat von Gebbi im Beitrag #46Drei Tage und Nächte verweilte sie auf dem Grund des Maßgrundweihers.
Das klingt wahrhaftig tragisch - aber offenbar mit gutem Ende. Drum wag´ ich´s mal, nachzufragen - der Schmerz des Stachels der Erinnerung wird nachgelassen haben.
Hat die Mannschaft überlebt? Wie lautete das Urteil des Seegerichtshofes - wer hatte den Verlust des Schiffes verschuldet - oder wurde alles menschenmögliche gemacht und der Kapitän in ehren von Schuld frei gesprochen? War etwa der große böse Barry am Werke?
Warum hat die Bergung so lange gedauert? Wie konntest Du es nach 3 Tagen noch finden?
Und.. wie muss man sich das flott-machen vorstellen. Vermutlich ist alle elektronische Einrichtung verloren - während man das Modell an sich trocknen und reinigen muss?
Der Bauplan der Pinisi erschien in der Ausgabe 9/88 der Zeitschrift "Modellbau heute". Eine hervorragendes Produkt aus dem Militärverlag der DDR. Die mbh konnte sich bis 1993 halten, aber gegen die Marktführer Schiffsmodellbau, ModellWerft und Schiffspropeller kam sie nicht an. Es fehlten ihr die Firmenwerbungen und Stammautoren wechselten zum Klassenfeind über. Ja, die Wende war nicht immer ein Erfolgsmodell.
Die indonesische Pinisi war seinerzeit das am häufigsten weltweit gebaute Frachtschiff unter Segeln. Während sich anderswo die Motorisierung verbreitete, waren hier zwischen den Inseln weiterhin die Segelschiffe unterwegs. Schiffe, die shell first gebaut wurden!
Bei mir segelt sie mit ihrem dreibeinigen Großmast weiter und wieder. Das dritte Bild hätte das letzte sein können, wir sehen den unfertigen Rumpf am Teich, angeschraubt ist die motorisierte Kielflosse. Ich wollte das Fahrverhalten testen, immerhin hat das Modell einen Fahrtregler. Auch hat es ein anschraubbares Ruderblatt (blau), denn die schmalen Steuerruder haben keinerlei Wirkung.
Ich setzte das offene Modell ein, alles war gut, nach 5 Metern war kein Empfang mehr da. Ich hatte da was kannibalisiert, d.h. ich hatte bei den (inzwischen veralteten) 40 MHz Empfängern die Antenne abgeschnitten und durch eine Steckverbindung ersetzt. So konnte ich verdeckt in allen Modellen Antennen einbauen und bei Bedarf einfach anstecken. Diese Stecker sind aus dem Modelleisenbahnbereich. Man nennt sie Bubele und Mädele. Warum, weiß ich nicht.
Ein lieber Kollege bot sich an mit seinem Schlepper das Modell ans Ufer zu schieben. Er schob, die querliegende Rumpfschale neigte sich, füllte sich mit Wasser und versank. Mit einem anderen Kollegen und dem Bergeboot ruderte ich zur Unglücksstelle und setzte eine Boje. Später tauchte ein weiterer Kollege ab und barg es. Alles funktionierte noch; Empfänger, Fahrtregler, E-Motor, Akku. Unser Teichwasser ist von mieser Qualität, aber es gehört zur Güteklasse Süßwasser, das schadet der Elektronik nicht. Der Rumpf war dank Epoxi nicht verzogen. Ich konnte gleich weiter modellieren.
Mannschaft war noch nicht an Bord, Seegericht wurde nicht informiert.
Dieser motorisierte Antrieb -AKF- ist inzwischen zum dritten Mal untergegangen. Er mag mich nicht! Soll er bleiben, wo er ist!
Gruß
Jörg
Egal wie leer du im Kopf bist, es gibt Menschen, die sind Lehrer!
LieberJörg, Welch schweres Traumata musstest Du erleiden aber Du hast es überstanden und weitergemacht, bravo. Unser RC-Modellbauer verfolgen solche Untergänge in den wildesten Albträumen. Mir ist da zweimal passiert. Das erste Mal in China bei einer Segelregatta um drei leere Getränkedosen mit Bindfaden und Stein beschwert. Der Schwertkiel blieb amFaden hängen und die kleinen Wellen füllten den Plastiksegler mit Wasser. Wochen später holte ein deutscher Arbeitskollege und Hobbytaucher denSegler wieder hoch. Die Fernsteuerung, Rigg undSegel waren Schrott oder so verschmutzt das auch langes Einweichen nichts half. Soviel zu chinesischen Gewässern und deren Güte, es war ein Trinkwassersee. Das Boot bekam eine neue Fernsteuerung, Rigg und Segel, es wird noch immer genutzt- mein bester Segler. Das zweite Mal überschlug sich ein Rennboot beim U-Turn und sank. Der örtliche Tauchverein machte ein Tauchevent daraus und fand es wieder.Leider gab es kein Happy End, da alles defekt war und Taucher ehr Grobmotoriker sind. Wenn ich mal schlecht schlafe träume ich davon 🤣
Gruß Kay
Wir sollten wieder lernen, aus der Freizeit Muße zu machen. (Otto Flake, Schriftsteller)
In der Werft: Marina - span. Fischerboot Mitte 20. Jahrhundert , RC In der Planung: Seeadler, Belem, Padua, RC-Krabbenkutter,RC - franz. Seenotretter etc.......... In der Flotte: HMS Snake, Cruiser Class 1797, Vanadis, chin. Dschunke, S100 (deutsch. S-Boot), Poseidon (peruan. Schlepper), etliche Speedboote aus Holz, Black Pearl (RC-Plastik-Segler),Grönland, Jagt
Zitat von Gebbi im Beitrag #49Mit einem anderen Kollegen und dem Bergeboot ruderte ich zur Unglücksstelle und setzte eine Boje. Später tauchte ein weiterer Kollege ab und barg es.
Wie tief war das Wasser denn an dieser Stelle? War da ein Scuba-Diver notwendig - oder genügte es, die Luft anzuhalten?
Mein Sohn hat mir - aus Versehen quasi - einen alten, schon vergessenen Kindheitstraum helfen wahr zu machen (ist das korrektes Deutsch? Ich stutze!). Er hat den Tauchschein gemacht, um in Florida Korallen zu retten. Beim Besuchen dort mit der Familie haben wir dann mit seinen Geschwistern einen "Schnupperkurs"-Tag gemacht und ich mich an die alten Jacques-Cousteau-Filme mit der Calypso erinnert. Der hagere, alte Mann mit der roten Mütze! .. und wie ich Abends in den bunten Bildern seiner Bücher (eigentlich nur eins, glaub ich. Die waren teuer!) schwelgte. Das echte Leben hat diesen Traum vergessen lassen ... aber dann bringen die Kinder die alten Ideen wieder nach oben und mittlerweile ist der Geldbeutel dicker. Also: Kurs in Kroatien (Ostern: billiger und einziger Zeitpunkt, an dem alle konnten - aber schei...-kalt!!!) mit allen! Seither darf ich mit der Flasche runter .. Hat mich aber überraschenderweise nicht so gepackt, wie ich gedacht hätte. Man fühlt sich irgendwie "fremd" im Wasser mit Anzug, Brille, Automat .. man kommt sich vor, wie ein Mini-U-Boot. Das Atmen ist laut, und man schaut durch dieses "Fenster".. Irgendwie ist das Apnoe-Tauchen "echter" - auch wenn man nicht lange und nicht tief runter kommt.
Zitat von Padua007 im Beitrag #50 ... und Taucher ehr Grobmotoriker sind.
Hihihi.. versuch mal mit einer 10 l Flasche am Rücken, der sperrigen Tauchweste, dem Geraffel an Atmregler und anderem Schlauchzeug, und dieser blöden, die Sicht ein-engenden Brille sowie dem dämlichen Neopren (man will nicht frieren in der Tiefe) und ggf. sogar noch Handschuhen etwas "feinmotorisches" unter Wasser zu veranstalten. Auch da: das befreite freie Tauchen mit Luft-anhalten erlaubt mehr Nähe zum Objekt und wirkliches "Begreifen" .. hätte ich ohne den Tauchschein zu machen nicht erwartet.
Das kann natürlich anders sein, wenn man in tropisch warmen Wasser ohne Neopren und Handschuhe tauchen kann. Da mag es dann ein anderes Erlebnis werden. Aber .. wo geht das?
Zitat Alles funktionierte noch; Empfänger, Fahrtregler, E-Motor, Akku. Unser Teichwasser ist von mieser Güte, aber es gehört zur Güteklasse Süßwasser, das schadet der Elektronik nicht. Der Rumpf war dank Epoxi nicht verzogen. Ich konnte gleich weiter modellieren.
Das ist natürlich phantastisch.
Zitat Mannschaft war noch nicht an Bord, Seegericht wurde nicht informiert.
Shocking !! Und jetzt machst Du das hier öffentlich?! Ist es verjährt?
Zitat Dieser motorisierte Antrieb -AKF- ist inzwischen zum dritten Mal untergegangen. Er mag mich nicht! Soll er bleiben, wo er ist!
Du meinst, er gammelt im See? Das wäre aber gar nicht gut .. oder ist nur der Motor da unten - und der Akku in Sicherheit?
Lieber Kay, ich habe mit meinen Modellen bislang viel Glück gehabt. Bin auch viel mit ihnen auf dem Meer gesegelt, wo durch die salzhaltige Luft und durch überkommendes Wasser die Elektronik Schaden nimmt. Einmal, in Kroatien, hatte ich den Empfänger nicht mit der Antenne verbunden und die Sloop segelte und wurde immer kleiner. Es war eine Bucht, ich fuhr mit dem Auto auf die andere Seite und irgendwann kam sie dann. Auf den letzten Metern hatte sie wieder Empfang. Ein tüchtiges Schiff.
Bester Marcus, ich habe da einen guten Freund, den Yannis. Der ist von der Insel Simi und ein Schwammtaucher, apnoemäßig. Hat auch einen Stein zum schnelleren Abtauchen. Yannis findet gelegentlich Altertümer. Die bringen mehr ein als die Naturschwämme. Solche will heute keiner mehr, nur unbedarfte Touristen.
IMG_0855.JPG - Bild entfernt (keine Rechte)
Nein, meine Pinisi hat der Vereinscheffe geborgen. Mit Neoprenanzug und Taucherbrille, ohne Flasche. Der See ist nicht tief, max. 4 m, aber sehr trübe. Man kann nur tasten. Die AKF ruhte mal über ein Jahr im Teich. Nach der Bergung an die Batterie angeschlossen. Motor schnurrte und lief.
Hochgeschätzter Horrido (Alliteration), "geholfen" ist im sprachwissenschaftlichen Sinne richtig und von der Semantik her angebracht, aber "helfen" erlaubt auch den Zugang zum Gesprächsinhalt und ist daher vom hermeneutischen Ansatz brauchbar.
Gruß
Jörg, Philologus emeritus
Egal wie leer du im Kopf bist, es gibt Menschen, die sind Lehrer!
Heute habe ich einige meiner Schonermodelle repariert und gesupert. Für den neuen 2.4 GHz Sender habe ich 11 verlinkte Empfänger, für die ältere 40 MHz Anlage drei Empfänger. Ich muss bei der Vielzahl meiner Fahrzeuge häufig die Empfänger ausbauen und wieder woanders einsetzen. In den Modellen sind meist 3 Servos verbaut und auf die Flachstecker habe ich die Zeichen M, R und S gemalt. M steht für Mast (Drehmast), R für Ruder, S für Segel (Schratsegel). So entfällt nun am Teich das ständige Puzzeln - welcher ist nun das Ruder?
Hier sind einige meiner Schonermodelle zu beschauen. Der Schoner wird ja durch seine Segelausführung das universale Fahrzeug an der nordamerikanischen Ostküste, da er die vorherrschenden Winde optimal nutzen kann. Im linken Bild hat der Marblehead Schoner rechts das einfachste Rigg, die "Nancy" links verfügt über eine anspruchsvollere Ausführung. Im rechten Bild ist ganz rechts eine 1711 entstandene Virginia-built sloop mit den damals noch "jungen" Gaffelsegeln. Davor, im 17. Jh., waren Sprietsegel gebräuchlich. Die sloop zeichnet sich durch die tonnenförmige Dachkonstruktion der Heckkabine aus. Die "General Hunter" in der Mitte hat sich bereits vom Schoner zur Brigg entwickelt, links davon ist mein Champion, die "Mohawk". Sie hat ein sehr ausgewogenes Segelverhalten, die anbrassbaren Stagsegel haben einen gehörigen Nutzen. Die "Mohawk" wurde von Boston aus für die Karibikfahrt eingesetzt. Wegen der anzutreffenden Hitze dort hat man ein Kochhaus aufgestellt, eine Caboose. So war es im Vorunter erträglicher. Es sind diese Details, die Atmosphäre schaffen.(1)
Gruß Jörg
(1) Hässlich ein anderes Detail. Die "Mohawk" muss diesmal mit Antenne segeln.
Egal wie leer du im Kopf bist, es gibt Menschen, die sind Lehrer!
Heute am Teich. Bild 1 Schoner "Nancy" segelt mit Schoner "Mohawk". Das war nicht möglich! Bild 2 Schoner "Nancy" segelt mit Brigg "General Hunter". Das war möglich und ist auch historisch belegt.