Nun ja, wer P sagt muss auch G sagen, nach den Püttingwanten kamen die Großwanten dran.
Die Schablone mit 13 Zoll/100-Abstandsmarkierungen habe ich farbig strukturiert, damit ich mich beim Abzählen besser zurechtfinde, habe sie festgeklemmt un horizontal ausgerichtet.
Danach wie schon beschrieben immer wieder die Abstände halbiert, das erleichtert die Verzugskontrolle und steift gleichzeitig auch etwas aus.
Und dann mal kurz ca. 500 Webleinenstegs gemacht. Beim Segeln neulich haben sich alle gewundert, dass ich den als Einziger mit zugemachten Augen machen konnte ...
... und raus kam das. Wenn die anliegenden Ladetakel, Pardunen und Backstage gesetzt sind, werde ich das ganze mit verdünntem Kleister festigen und den Webleinen wo nötig etwas plausible Schwerkraft geben. Aber bis dahin hätt ich ja eh wieder alles zerzauselt, ich kenn mich Tollpatsch ja mittlerweile ganz gut.
Aber wenn man das weiße Blatt rauszieht sieht es sowieso schon anders aus. Angenehm unaufdringlich die Erscheinung.
Und mein kleiner Matrose hat scheinbar viel Spaß beim Aufentern :-)
Hi Daniel Hackney zeigt in seinem Buch "HMS Victory" (S.43), dass das vorderste und die beiden achterlichen Hoofdtaue (Fock- und Großwanten) bzw. das vordere und achterlichste (Besan) nur jedes so-und-so-vielte mal mit einer Webleine eingebunden wurde. Ist das wieder so ein Victory - Mythos oder was hat es damit auf sich?
Danke Willi, da hatte ich zum Glück vorher extra nochmals nachgeschaut.
Ich hatte auch verschiedenste Varianten im Kopf. Steel 1795 beschreibt aber klar, dass bei Fock- und Großmast jeweils die unteren und oberen 6 Webleinen vorne und achtern freibleiben, der Rest durchgewebt ist. Für den Kreuzmast habe ich bei Steel noch keine anderslautende Angabe gefunden, einige Quellen machen es analog zum Großmast, Schrage gibt an, das Auslassen nur an der vordersten Want unten oder diese sogar nicht einbinden. Also da muss ich bei Zeiten nochmals ran.
Falconer 1769 lässt übrigens scheinbar alles komplett durchlaufen ...
Beifang an der Stelle: Die hinterste Want läuft im englischen unter Swifter und war nach meinem Verständnis ursprünglich eine Zusatz-/Hilfswant. Erste Interpretation dort war auch, dass der Überstand zum Einbinden der Juffer größer war als bei den anderen Wanten. Daher eher erstaunlich, dass die Want fast komplett eingebunden war. Muss ich auch noch mal recherchieren was da Sache war. Würde aber das Einbinden nur alle 6 Webleinen erklären, da diese dann nur gegen Schwingung stabilisierend wären, was meiner Meinung nach aber eine spätere Epoche ist.
So, die bei mir fast schon üblichen 10 Jahre zwischen erstem Herantasten an ein Thema und dem Bauen sind fast vorbei, Zeit endlich was dazu zu basteln. Aber wie immer kommen da dann doch einige Fragen auf ...
Und jetzt sollen die 2 Masttakel, also Takel und Manteltakel endlich dran. Aus Sicherheitsgründen musste ich seinerzeit warten, bis jetzt endlich die Webleinen dran kamen, sonst wären die Masttakel noch mit eingewoben worden, ich kenn mich, hab ich bei der Soleil so hinbekommen, die Flüche hallen heute noch des Nachts schaurig durch das Städtle ...
Zuerst hab ich mal die Kleedemaschine gequält, da die Kleedungen am laufenden Gut halt nicht mit Leim zu faken sind.
Dann zweimal Manteltau. Rein aus meinen alten Erfahrungswerten hätte das 8/0er Garn mit 24 Fäden die richtige Stärke für das Mantelkabel geben sollen. Siehe rechts, war zu dick und sah aus wie Paketschnur. Mit 12 Fäden 6/0 kam dann das passende Seil raus. Nur mal so am Rande. Auch das Kleiden des Stropps tut der Sache gut.
Der lang gebundene Stropp für die beiden Takel war dann schnell gemacht, gleiches Prinzip wie bei den Fallblöcken. Hier sieht man, dass selbst in diesem Maßstab die Kauschen gut tun.
Am Tisch ausgesteckt sieht das dann ganz toll aus. Daneben meine Produktionsskizzen für die später zu reproduzierenden Takel. Blau Originalmaße, grün mm in 1:100.
Hier der obere Teil mit Takel und Mantelblock mit dem darunter hängenden Takel.
Und der untere Teil der beiden Takel mit dem langen Stropp.
Auf den Rüstbrettern fehlten natürlich noch die Löcher, mit dem Schaschlikbohrer war das kein Problem.
Damit nichts verloren geht, hatte ich zum Montiern einen langen Faden durch den Ring gesteckt, so war die Bewegungsfreiheit der Kleinstteile positiv eingeschränkt.
Hier sieht man auch, Augbolzen und Ring für den langen Stropp.
Und da hängen sie schon. Jetzt muss ich nur noch herausfinden, wie mit den holenden Parts zu verfahren ist, im Besonderen wie viel Fleisch die Leinen bekommen müssen, dass man auch was Anständiges damit anfangen kann. Hanger / Masttakel und Seitentakel
Ansonsten freue ich mich einfach wieder mal mit was Neuem weitergekommen zu sein.
XXXDAn
PS: Zum Thema experimentelle Archeologie in 1:100 – Das Manteltakel kann maximal bis zur Hälfte des Rüstbrettes achtern genommen werden, ohne die Verdrillungen und Schwichtungen zwischen den Wanten im Bereich der Wurst nach hinten zu drücken. Schränkt den Einsatzbereich da dann doch etwas ein ...
Und ruckzuck hab ich fertig machen können, ja manchmal geht das auch flott bei mir.
Die Knebel zum Sichern der holenden Parts hab ich aus Draht gemacht, den Unterschied seh nicht mal ich selber ...
... das offene U hab ich nacher noch zugedrückt.
Das Ende des Manteltakels, an das die Laast kommt hat eine Kausch und Haken bekommen, und bei beiden Taljen wurden die holenden Parts wie in der Literatur beschrieben um sich selbst gewickelt und hoch gebunden.