weil es zeitlich recht nah beieinander liegt, zeig ich euch mal wie sich die Geschichte beim Pellermodell darstellt. Es hat sich nämlich gezeigt das die Takelage zwar insgesamt stark überhöht, in den proportionalen Längenverhältnissen zueinander (alle Teile sind zu dick) aber durchaus realistisch ist. Ich habe die Dicken der Teile versucht auf die richtigen Verhältnisse zu reduzieren. Masttopp.png - Bild entfernt (keine Rechte)
Die Länge des Masttopps beträgt genau 1/10 Mastlänge. Das Eselshaupt ist vorne mit einem eisernen Bügel geschlossen. Die Stenge ist gegen den Topp gelascht. Die Längssalinge sind ohne unterstützende Wangen in den Vierkant des Mastes eingelassen. Dia Fallen laufen noch nicht über das Eselshaupt sondern durch Scheibgats im Mast. Der Fuß der Stenge zeigt kein Scheibgat für ein Windreep. (das kann natürlich eine Vereinfachung sein, obwohl ein Schloßholz dargestellt ist!) Interessant vielleicht noch, die Stenge hat eine Länge von 5/8 des Untermastes.
Gruß Bela
kleiner Nachtrag.
Beim Pellermodell sind Mars- und Bramstenge ja aus einem Stück. Die Bramsaling ist auf 2/3 der Stengenlänge. Wäre Mars- und Bramstenge geteilt, käme man, bei einer Topplänge von wieder1/10, auf eine Marsstenge von 0,6111 Untermastlänge und die Bramstenge wäre 0,45 der Marsstenge.
erst mal besten Dank, daß du den vielen Quellen zu den Masttops nochmals nachgegangen bist. Ich bin derweil die kontinentalen Formen eher gewöhnt, da erscheinen mir die englischen immer noch etwas gedrungen. Belas Variante der Peller-Modells stellt wohl ebenfalls eine kontinentale bzw. niederländische Version dar. Hounds sind die Mastwangen? Dann liegt wohl bei den Hunden der Hund begraben Du schreibst, daß nach Anderson die Mastwangen im Bereich des Tops liegen (1/3 des Tops wird davon eingenommen), wie Werner anmerkte liegen sie bei den Niederländern außerhalb des Tops. Hier wird die Toplänge sogar von der Oberkante der Sailinge / Schloßholz aus gemessen. Oder wie bei Ketting gefunden der Teil der über der Mars liegt. Das ergibt dann schon einen ziemlich großen Unterschied in der Optik.
Bin wirklich beeindruckt von Deinem Bau der Mayflower, ganz besonders die Darstellung der Details insbesondere Deiner Beplankung, welche wirklich gut nachzuvollziehen ist. Auf diese Weise incl. der hochauflösenden Bilder sollten (Deutsche) Modellbau Bücher geschrieben sein - da macht es auch Freude immer wieder darin zu blättern.
Nach längerer Pause arbeite ich wieder an meinen Modellen. Ich arbeite gerade an dem vielen Kleinzeug, das ich noch brauche, um (hoffentlich bald) den Rumpf fertig zu machen:
Treppen, Relings von Back-, Halb- und Poopdeck, Rüsten, dreieckige Jungfern, Deckel der Geschützpforten und deren Beschläge, Kreuzhölzer etc. Eine Menge Kleinzeug, parallel für Mayflower und Berlin
Beim Lesen deines Posts habe ich auch mal wieder in deinen Baubericht der MAYFLOWER geschaut . Da ist ja lange nichts passiert . Ebenso bei deinen anderen Modellen . Hast du den Bau eingestellt ? Es wäre hocherfreulich , wenn es da an allen Fronten weiter gehen würde .
Grüße von Thomas
Ich arbeite schon weiter an meinen Modellen, habe aber leider auch zu viel anderes am Hals, das den Fortschritt stark hemmt. Heuer ist mir außerdem noch eine aufwändige Kellersanierung dazu gekommen. Mit dieser Baustelle habe ich außerdem meine Werkstätte vorübergehend in einen Lagerraum für Dinge, die deshalb in anderen Räumen im Weg waren, umfunktionieren müssen, was die Nutzung für Modellbau fast unmöglich macht. Ich habe aber mit der Fertigung von Teilen (Jungfern, Taue schlagen und kleiden) für die Takelung begonnen, bin aber mit dem Ergenissen nur teilweise zufrieden. Ich werde heute oder morgen einige Bilder dazu einstellen, damit hier wenigstens etwas weiter geht.
Nach langer Zeit wieder einmal ein kleines Update.
Beim Rumpf meines Modells fehlen nur mehr einige Kleinigkeiten, die ich zum Teil schon gefertigt aber noch nicht am Modell angebracht habe. Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit Vorarbeiten für die Takelung. Meine Reeperbahn habe ich ja schon vor längerer Zeit vorgestellt (siehe #76) und ich habe auch eine Kleedemaschine gebastelt. Die habe ich vom Prinzip her von der Servo-Matic von Chuck Passaro abgekupfert. Die Zahnräder (aus Messing) hatte ich schon vor Jahren für eine Reeperbahn gekauft, da ich diese aber inzwischen aus Legoteilen gebaut habe, konnte ich sie für die Kleedemaschine nehmen.
Die Zahnräder haben eine 5 mmBohrung, ich habe die großen Zahnräder mit einem 5mm Messingrohr in der Länge der Maschine verbunden und die beiden kleinen jeweils auf ein kurzes Rohrstück montiert. Das Rohr hatte ein geringes Übermaß und nach einer kurzen Behandlung mit Schleifpapier passten die Rohre in die Bohrungen. Die "Lagerung" in Form von 5mm Bohrungen in den seitlichen Sperrholzwangen (mit Rundfeile etwas aufgeweitet) ist natürlich nicht das gelbe vom Ei, aber die Maschine funktioniert so recht und schlecht. Im Bild oben ist gerade ein Wanttau für das Kleiden in der Mitte (der Bereich über dem Masttop bis unter die Saling) eingespannt und zur Hälfe dieser Länge gekleidet. Ich habe zwar vorne im unteren Bereich einen Rundstab zur Aufnahme von Garnspulen angebracht, bin aber drauf gekommen, dass diese Lösung gar nicht so gut ist, da man beim Kleeden den Faden zum Spannen mit den Fingern bremsen muss. Als bessere Lösung habe ich den Faden unter dem Bodenbrett der Maschine durchgeführt, die Garnrolle liegt auf der hinteren Seite, die Reibung bringt so gerade benötigte Bremswirkirkung um den Faden zu spannen.
Gescheitert bin ich allerdings am "Worming" (ich vergesse immer wieder wie das auf Deutsch heißt, Trensen?). Nach einigen Versuchen hab ich aufgegeben, ich werde drauf verzichten. Das Kleeden geht nicht so schlecht, einige Schönheitfehler gibt es noch, aber aus der Entfernung, aus der man ein Modell normalerweise betrachtet, fallen die nicht auf. Aus der gleichen Entfernung sieht man (bei den im Maßstab 1:64 benötigten Taudurchmessern) eigentlich auch nicht, ob die Wanten Worms haben oder nicht.
Das Modell mit den Fock- und Großwanten, Hanger der Takel und 2 der 3 Besanwanternpaare and den Tops der Masten hängend:
Man sollte halt keine Großaufnahmen von kleinen Teilen posten, da kommt jeder Fehler, den man in Natura fast oder gar nicht sieht, extrem raus
Zur Anfertigung der Jungfern (benötigt werden 44 Stück für Fock und Großmast und 36 Stück etwas kleinere für Besan und Fock- und Großstenge) komme ich demnächst im nächsten Beitrag, bis dann.
Klaus
Model Mariner
hat folgende Bilder an diesen Beitrag angehängt
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WORM(ING) ist der englische Ausdruck für das TRENSEN.
Drei Dinge werden beim Beklee(i)den eines Taues gemacht:
TRENSEN - SCHMARTEN - KLEEDEN
TRENSEN = die Keepen des Taues werden mit Schiemannsgarn gefüllt SCHMARTEN = um das getrenste Tau werden Tuchstreifen gewickelt. Das passiert bei sehr starken Tauen (Kabel) KLEEDEN = das Kleedgut wird mittels einer Kleed(Kleid)keule um das geschmartete (getrenste) Tau gewickelt.
Grüße
Robert
Und wenn mich dann die Arbeitswut packt,....setze ich mich ganz still in eine Ecke und warte bis der Anfall vorüber ist.
In der Werft: Knochenmodell "Royal Caroline" 1749 M 1: 50 Spantmodell Engl. 74 Kanonenschiff 1781 M 1: 50 nach M. Stalkartt Projekt Phantom M 1: 50
Zu diesem Thema hole ich hier etwas weiter aus und gehe auf die Anfangszeit meiner Modellbauaktivitäten zurück. (Wenn's jemand zu lang ist, kann er es ja überspringen). 1961 bis 1962 habe ich auf der Basis der Graupner Werkstoffpackung und mitgelieferten Plan das Modell der Santa Maria gebaut. Daraus habe ich erfahren, dass Wanten mittels Jungfern steifgesetzt wurden. Bücher zum Thema gab es noch kaum und die es gab, kannte und hatte ich nicht. Das Modell war im Maßstab 1: 65, für die Takelage gab es einen sogenannten Beschlagsatz aus Plastikteilen (Blöcke, Jungfern, einige Klampen etc.) Die Jungfern waren kreisrund, Durchmesser 5mm. Mein nächstes Modell war dann die Graupner Mayflower (Version von 1958), Maßstab 1: 48, die im Plan gezeichneten Jungfern hatten 8mm Durchmesser (Originalgröße 384mm), die im Beschlagsatz für das Modell enthaltenen Jungfern (Blöcke und Klampen) waren die gleichen wie die für das Santa Maria Modell.
Beschlagsatz.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)
Erst viele Jahre später habe ich wieder mit dem Modellbau angefangen und da ist mit als erstes Modellbaubuch Schiffsmodellbau von Horatio Curti untergekommen. Darin waren zwar Jungfern (kreisrund) erwähnt und gezeichnet, aber keine Angabe über die Größen und auch nichts davon, dass bis zum frühen 17. Jahrhundert die Jungfern noch eine andere Form hatten. Das habe ich erst erfahren, als ich 1977 oder 1978 das Buch Historische Schiffmodelle von Mondfeld gekauft und durchstudiert habe. Darin heißt es "im 15. Jahrhundert wurden die Jungfern dreieckig und ziemlich flach, das Want wurde nun in einer Rille rund um die Jungfer gelegt".
Mit diesem Thema habe ich mich allerdings erst viel später näher beschäftigt, als ich mit der Planung meines Mayflower Modells begonnen habe. Würde ich mein Modell mit runden Jungfern ausrüsten, gäbe es wahrscheinlich viele Kommentare, dass das richtig dreieckige sein müßten. Den oben angeführten Satz mit den "dreieckigen" Jungfern halt ich gelinde gesagt für Blödsinn, ich halte die gezeichnete Form für ausgesprochen unrealistisch.
Die Bezeichnung „dreieckig“ für die Jungfernformen vor den (kreis)runden Jungfern habe ich in der Literatur außer bei Mondfeld nur im Buch Die Mayflower von Noel Hackney gelesen (dreieckig mit gerundeten Seiten), hat sich leider aber eingebürgert, auch wenn die Form alles andere als annähernd dreieckig war. Wenn man Jungfern der Wasa oder Mayflower II betrachtet, ist deren Form viel näher bei einem leicht deformierten Kreis als einem Dreieck. Leider wurde das (annähernde) Dreieck auch von Herstellern von Jungfern für Schiffsmodelle übernommen und damit von vielen Modellbauern auch für ihre Modelle. In englischsprachigen Büchern (außer der englischen Ausgabe vom Mondfeld und bei Noel Hackney ( dreieckig mit gerundeten Seiten) sind mir noch keine „triangular dead eyes“ untergekommen. In der visual Encyclopedia of NAUTICAL TERMS werden „pear shaped“ Jungfern erwähnt und William A Baker nennt in seinem Buch über die Mayflower II die Form der Jungfern light melon-seed shaped (annähernd die Form von Melonenkernen). Die Form der Mayflower II Jungfern basiert auf Funden von Jungfern aus dem 17. Jahrhundert im Hafen von Kalmar / Schweden).
Jungfern.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)
Links oben: Darstellung von Jungfern verschiedener Jahrhundert im Mondfeldbuch (woher der Autor die Info für diese Zeichnungen hat ist nicht angegeben) Rechts oben: die einzigen im Handel angebotenen "dreieckigen" Jungfern sind von Krick und ebenfall über Krick erhältlich von Shipyard. Die Form stimmt ziemlich genau mit der im Mayflower Buch von Noel Hackney gezeichneten überein und die halte ich für genau so unrealistich wie die von Mondfeld.c Mitte links: Jungfern der Wasa und im Wasamuseum gezigt einzelne Jungfern in unterschiedlicher Form links unten: Junger der Großwanten Mayflower II rechts Mitte: Anfertigung meiner Jungfern rechts unten: eine meiner Jungfern mit Wanttau
Da im Handel keine „dreieckigen“ Jungfern in einer realistischen Form erhältlich sind, bin ich drauf angewiesen, selbst welche anzufertigen. Es gab in der betreffenden Zeit je nach Land und auch nach Herstellern innerhalb der Länder) sicher viele unterschiedliche Formen. Ich habe mich an Fotos von Jungfern in Museen orientiert und mich für eine Form, die ich für realistisch erachte, entschieden (siehe Fotos im Bild oben). Ich glaube aber, dass die bisher gefertigten etwas zu groß ausgefallen sind. Mir erscheinen die Jungfern der Mayflower II im Vergleich zu denen der Wasa (die Form ist sehr ähnlich) schon etwas zu groß und meine sind noch etwas größer. Also werde ich noch einmal anfangen und kleiner produzieren!
Ich habe mir für die Hinde auch Gedanken gemacht, und mal in meinen Büchern nachgesehen. Höckel schreibt zwar auch von Dreieckigen, jedoch länglichen Juffern. Howard schreibt von einer Birnenform, und bezieht sich auf Hohlbein. Kirsch (Die Galeone) zeigt auch die längliche Birnenform . Das gleicht sich auch mit der Wasa . In Mondfelds Enzyklopädie zum stehenden Gut hat er die Dreiecksform drin, gleichzeitig aber eine Zeichnung von Zimmermann mit länglichen Juffern.
Deine (etwas grobe) Aussage zu der Dreiecksform ist sehr schlüssig, zumal die, wenn auch gerundeten, Spitzen des Dreieckes das Umliegende Tau zusehr knicken und damit schwächen.
Uwe vom Dunkelwald (lat.: Miriquidi)
Mitglied des Phantomprojektes Recherche: Fleute Zeehaen Kiellegung: Golden Hinde Fertiggestellt: Die Kolumbusflotte
Zitat von Model Mariner im Beitrag #100Jungfern (rund oder dreieckig?)
....Mir erscheinen die Jungfern der Mayflower II im Vergleich zu denen der Wasa (die Form ist sehr ähnlich) schon etwas zu groß .....
Obwohl allgemein die Jungfern bis in das erste Viertel bis Drittel des 17. Jahrhundert von den Fachleuten als "dreieckig" (pear shaped , heart shaped, melon-seed shaped) angegeben werden, was ja auch durch die WASA 1628 bestätigt ist, hat Brian Lavery, der ja auch als Fachmann gilt, für die von ihm konstruierte Susan Constant Replica (Original vermutlich 1605 gebaut) kreisrunde Jungfern vorgesehen. Er schreibt in seinem Buch in der Reihe Atanomy of the ship: "the deadeye itself should presumably be round as heart shaped deadeyes had be gone out of use by that time. It's face was also quite rounded, compared to those used in later years, which were flatter." Durchmesser der Jungfern der Großwanten 10" (254 mm) für ein 6 1/2" (52mm Durchmesser) Wanttau, die Jungfern sind wesentlich dicker (im Verhältnis zum Wantdurchmesser) als die der Mayflower II oder der Wasa. Die Form dieser Jungfern ist ungefähr gleich mit den Jungfern des ca. 50 bis 60 Jahre späteren Hohenzollernmodells.