Ich bin zwar kein Segelpraktiker (zumindest nicht in 1:1) aber vielleicht trägt mein "Senf" doch etwas zur Klärung bei.
Die Blöcke der Topnanten waren entweder am Eselshaupt oder am Masttopp unter eben diesem angebracht. Waren sie am Eselshaupt angebracht, hätte eine Position in der vorderen Hälfte bei Last einen Hebel erzeugt, der das Eselshaupt vorne nach unten wegkippen lassen will. Drehpunkt des Hebelarmes wäre im Bereich des Zapfens zu finden, denke ich. Für die Verbindung zwischen Untermast und Stenge wäre das fatal. Bei HMS "Victory" ist (zumindest im heutigen Zustand) vor der Stenge eine Stützsäule zwischen Eselshaupt und vorderer Quersaling aufgestellt.... vielleicht aus diesem Grund?
bis denne Willi
Es ist nicht alles falsch, was man nicht versteht.
Könnte bestimmt auch ein Grund sein. Aber bei den Dimensionen des Eselhauptes ist ja schon das Eigengewicht ein ganz ordentliches. Und die Stütze ist so schwach dimensioniert, dass ich hier keine dynamische Belastung vermute.
Ein weiterer Grund kann sein, dass bei der "klassischen" Position der Blöcke zwischen den Stengen das Toppreep nicht über die Vorderkante abrutschen kann wie in Günters Gegenentwurf.
PS: Wir haben/hatten doch mindestens 2 bis 3 Modellbauer hier, die Traditionsseglererfahrung hatten. Wer war das nochmals? Können die uns Erhellung bringen?
wollte eure Gedanken zu dieser Thematik noch mit folgender Darstellung unterstützen. Willi´s Ansatz, dass bei Anordnung der Toppnanten im vorderen Bereich durchaus eine unerwünschte Kippbelastung für das Eselshaupt ausgelöst wird, ist durchaus nachvollziehbar. Das könnte der Grund für die mittige Anordnung sein. Toppnanten_LaCreole_HMSVictory_Unterrahen.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)
Viele Grüße Johann
"Es gibt nichts Gutes, außer man tut es" Erich Kästner
Auf deinem Bild sieht man auch, dass das Rack die Rah zurück nach hinten zum Mast zieht. Wie ist dies bei den zeitgenössischen Modellen? Ist dort die Rah auch pääp am Mast oder hängt sie senkrecht unter dem Bolster am Knickpunkt des Hangers an der Quersaling?
Das fiel mir auch bei meiner Vic auch auf. Zurückgezogen lässt sich die Rah um max 1°-2° anbrassen. Mehr nicht. Senkrecht hängend sieht das besser aus. Erleichtert auch die Chose mit den Toppnanten. Hatte diese Erkenntnis als ich versuchte meine Gute in die Kiste zu bekommen. Die Transportkiste wohlgemerkt. Und diese Erkenntnis ereilte mich natürlich am Vorabend der Anreise nach Evian ...
Bei deinem eingeclipten Bild sieht man auch einen Unterschied in der Aufhängung des Topnantenblocks: Bei dir ist dieser mit Haken an einem Augbolzen unter dem Eselshaupt festgemacht, bei der Vic und bei Günter ist es ein zweiadriger Doppelreep, das auf der Unterseite mittels Loop gesichert war. Dieses würde wahrscheinlich durch die Zugkraft des Segels nach vorne runterrutschen.
Die Racks konnten doch (von Deck aus) gelockert werden, um das Anbrassen zu ermöglichen. Gleichzeitig wurden dann wohl auch die Toppnannten gefiert, jedenfalls der leeseitige, so daß diese nicht mit den Marswanten ins Gehege kamen.
Ich meine, daß bei angebrassten Rahen, das Segel die Tendenz hat, mit der Leenock anzusteigen, was durch die Krängung nach Lee noch begünstigt wird. Der Grund ist, daß der Wind ja meist horizontal daherkommt und die Rah daher die Tendenz hat sich horizontal zur Wasserfläche auszurichten. Der luvseitige Toppnannt verhindert das.
Zu #4940 Das Racks wird mit ungebrasster Rah gezeigt, und daher befindet sich die Rah eng am Mast. Bei den zeitgenössischen Modellen, die ich als Referenz für mein Modell herangezogen habe ist es auch so. Beim Anbrassen muss das Rack natürlich gelockert werden, wie Eberhard es beschrieben hat. Das war mit dieser Art von Taurack sehr komfortabel zu händeln.
Zu #4941 In der Tat, das würde vorne abrutschen.
Viele Grüße Johann
"Es gibt nichts Gutes, außer man tut es" Erich Kästner
Beim Suchen nach Booten auf zwei kleine Details der Invincible 1827 gestoßen: Ankerklüsenklappen mit Reeps und Wuhlingabdeckung aus Tuch. Ist das evtl. für dich relevant?
Bildschirmfoto 2025-07-28 um 10.43.16.png - Bild entfernt (keine Rechte)
Fotobuch - LA CRÉOLE CORVETTE DE 24 BOUCHES À FEU 1827 DU L’INGÉNIEUR LEROUX
Manchmal braucht ein Projekt eine kleine Pause – und manchmal braucht man etwas, das einen daran erinnert, warum man es begonnen hat.
Da ich aktuell aus privaten Gründen (Hausbau Sohn und ein paar altersbedingte Wehwehchen ...) nicht an der laufenden Takelage meiner französischen Korvette La Créole weiterarbeiten kann, habe ich mir ein Fotobuch erstellt: als Quelle der Motivation, als Rückblick und als Ausblick zugleich.
In diesem Video nehme ich euch mit auf eine kleine Reise durch dieses Buch – ein Stück Modellbaugeschichte in Bildern.
Viele Grüße Johann
"Es gibt nichts Gutes, außer man tut es" Erich Kästner
Nach der Sommerpause – Fortsetzung meines Bauberichts Die Tage werden kürzer, draußen wird es ruhiger – und mit dem Herbst kehrt auch die Lust am Modellbau zurück. Nach einer kleinen schöpferischen Pause möchte ich demnächst wieder an meiner französischen Korvette La Créole weiterarbeiten. Als Einstieg habe ich mich aktuell mit der Klärung, insbesondere der Belegstellen im Vorschiff beschäftigt, um die Takelage der Fockrah sowie des Klüver- und Außenklüverbaums abschließen zu können. In diesem Zusammenhang sind zwei Darstellungen (Grundlagen: Bildausschnitte Originalmodell/Ausschnitt Monographie J. Boudriot) entstanden, die ich hier zeigen möchte. Belegplan_LaCreole.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)
Sie sind noch nicht vollständig, dienen aber als Basis für die weitere Ausarbeitung und sollen zugleich einen Einblick in die notwendigen Recherchen geben, die diesem Abschnitt vorausgingen. Die Erarbeitung dieser Details hat einmal mehr gezeigt, wie vielschichtig und spannend die Auseinandersetzung mit historischen Quellen, technischen Zeichnungen und zeitgenössischen Modellen sein kann – und wie sehr sie zur Lebendigkeit eines solchen Projekts beiträgt.
Völlig unklar ist mir noch z. B. die Führung der Großsegelbulins, wie in der Monographie von J. Boudriot dargestellt. Die dort gezeigte Führung der Großsegelbulins erfolgt über das Vorschiff – eine Lösung, die mir bislang so nicht bekannt war. Nach meinem bisherigen Verständnis – und auch nach Sichtung zeitgenössischer Modelle – werden die Bulins üblicherweise achtern des Fockmastes belegt. Die Führung über das Vorschiff erscheint mir nicht nur ungewöhnlich, sondern auch technisch problematisch, da sie potenziell mit der Fock kollidieren würde. Insofern bleibt dieser Punkt für mich noch offen und bedarf weiterer Recherche. Ich freue mich auf den Austausch mit euch und bin gespannt auf eure Gedanken und Hinweise zu den gezeigten Skizzen.
Viele Grüße Johann
"Es gibt nichts Gutes, außer man tut es" Erich Kästner