Zurück von einer weiteren Reise habe ich mich hiermit beschäftigt:
Das Bratspill 1
Ich habe ziemlich viel Zeit mit dem Studium zeitgenössischer Zeichnung und fast-zeitgenössischer Modelle von kleinen Schiffen aus der Mitte des 19. Jh. verbracht, um besser zu verstehen, wie das Bratspill eines kleinen Küstenfahrers zu dieser Zeit ausgesehen haben könnte. Zwar zeigen die Zeichnungen aus dem Archiv der königlichen Werft in Kopenhagen, daß um die Mitte der 1830er Jahre Bratspills mit mechanischer Untersetzung über eine Vorlegewelle oder Patentspills schon bekannt waren, aber sie scheinen noch nicht sehr verbreitet gewesen zu sein. Kleine Küstenfahrer, wie die Rahschlup, wurden auf einfachen Werften gebaut, deren Möglichkeiten zur Herstellung von Schmiedeteilen und mechanischen Einrichtungen begrenzt waren, von der Bearbeitung von Zahnrädern gar nicht zu reden. Zahnräder hätten zugekauft werden könne, waren aber sicher für die ‚Subsistenz‘-Küstenfahr viel zu teuer.
Seitenansicht des Bratspills – Detail aus der Originalzeichnung der Rahschlup.
Diese Untersuchungen waren notwendig, da die Originalzeichungen der Rahschlup zwar die Wangen des Bratspills zeigen, nicht aber einen Grundriß, aus dem man die Länge und Form des Spillstammes hätte ableiten können. Im Dänischen Archiv fand sich die undatierte Zeichnung einer einmastigen Jagt ähnlicher Größe in der das Spill recht detailliert dargestellt ist. Sie ist wohl ein bißchen älter, als die Rahschlup, aber deren Originalzeichnung zeigt einen achtseitigen Spillstamm, der zu dieser Zeit aber wohl schon etwas antiquiert war. Andere Zeichungen aus dem dänischen Archiv zeigen Bratspills aus der Mitte der 1840er Jahren mit moderner aussehenden runden Spillstämmen.
Bratspill der Jacht THETIS (1842) – Modell vom späten 19. Jh. nach Originalzeichnungen im Altonaer Museum, Hamburg.
Die dänischen Zeichungen und Photographien von Restaurierungsprojekten vergleichbarer Fahrzeuge bezeugen, daß die Wangen überraschend dünn waren, nur etwa einen halben Fuß dick. Ähnlich war der Pfosten gegen den sich der Bugspriet lehnt nur etwa ¾ Fuß im Querschnitt.
Detail aus der Zeichnung F150-119 für eine Jagt, Rigsarkivet Kopenhagen.
Mit diesen Informationen wurden Arbeitszeichnungen für den Spillstamm und die Wangen angefertigt. Die Zeichnungen für die Wangen werden ausgedruckt und auf 1 mm Plexiglas geklebt, um als Vorlage für das Aussägen zu dienen
Arbeitszeichnungen für das Bratspill der Rahschlup
Vielen Dank für den regen Zuspruch in Form von 'Däumchen'
Das Bratspill 2
Wie geplant, wurden die Zeichnungen für die Wangen in der korrekten Größe ausgedruckt und auf ein Stücken Plexiglas von 1 mm Stärke geklebt. Eine gerade und rechtwinklige Kante diente dabei als Bezugsfläche.
Als erster Bearbeitungsschritt wurde eine 0,5 mm-Bohrung für die Achse des Spillstammes eingebracht. Diese Bohrung hilft dabei, zusammen mit der geraden Kante, die beiden Wangen deckungsgleich auszurichten, so daß sie identisch werden. Die Bohrung gibt mit Gelegenheit, die Uhrmacherbohrmaschine (https://www.maritima-et-mechanika.org/to...lls/drills.html) in Aktion zu zeigen.
Mit Hilfe der Mikro-Fräsmaschine als Oberfräse wurden die beiden Wangen grob mit einem zylindrischen Dentalfräser herausgearbeitet. Daran schloß sich eine Menge Feilen von Hand an, wobei diverse kleinste und feinste Uhrmascherfeilen zum Einsatz kamen.
Die Kanten wurden mit einem kleinen Dreikantschaber und einem Gummischleifstift in der Handbohrmaschine gerundet. Abschließend wurden die Wangen mit einer Borstenbürste poliert.
Die Unterkante der Wangen ist 9 mm lang. Leider lassen sich die durchsichtigen Teile nur schlecht photographieren.
Die beiden Hälften des Spillstammes wurden aus einem 3 mm Plexiglas-Rundstab hergestellt. Jede Seite wurde aus zwei Teilen aufgebaut. Das Problem sind nämlich die quadratischen Löcher für die Handspaken. Im Prinzip könnte man zwei Löcher kreuzweise bohren und diese dann quadratisch feilen. Bei einer Größe von 0,5 mm x 0,5 mm wäre das aber eine ziemliche Herausforderung. Es gäbe noch andere Methoden, wie Räumend, das braucht aber Spezialwerkzeug. Die einfachste Methode ist, jede Hälfte des Spillstammes in zwei Teile aufzuteilen und dann ein Ende kreuzweise zu schlitzen. Auf dieses Ende wird eine Scheibe geklebt und man bekommt so perfekte quadratische Löcher.
Aufbau für das Schlitzen des Spillstammes
Schlitzen der Spillstamm-Hälften
Ein Stück Rundstab wurde also an beiden Enden plangedreht und ein Durchgangsloch für die 0.5 mm Achse gebohrt. Dieses Teil wurde dann in den Teilkopf der Mikro-Fräsmaschine aufgenommen und die Enden 0,5 mm tief mit einer 0,5 mm dicken Kreissäge geschlitzt. Anschließend wurde eine Scheibe gleichen Durchmessers auf die Enden geklebt, was eben in zwei genau quadratischen Durchgangslöchern resultierte.
Fräsen der acht Seiten des Spillstammes
Für den nächsten Bearbeitungsschritt wurde die Achse des Teilkopfes um 1,5° geneigt, um die acht Seiten der etwas konischen Spillstammhälften zu fräsen. Der Spillstamm ist durch eiserne Bänder an den Enden verstärkt. Diese wurden erzeugt, in dem die Seiten mit 0,2 mm Übermaß im Durchmesser gefräst wurden. Der Durchmesser wurde dann zwischen den Bändern um 0,2 mm reduziert, so daß am Ende zwei Bänder von 0,1 mm Stärke und 0,3 mm Breite stehen blieben.
Nahaufnahme des Fräsens des Spillstammes
Die dünneren Enden der Spillstamm-Hälften wurden plangedreht und dann die Hälften auf die korrekte Länge abgestochen.
Die Spillköpfe wurden auf die gleiche Weise hergestellt. Sie aber zylindrisch (oder genauer: achtseitige Prismen) und nicht achtseitige Kegelstümpfe. Der geringere Abstand von nur 1 mm zwischen den Verstärkungsbänder machte den Einsatz eines kleineren Fräsers notwendig. Vor dem Abstechen der Spillköpfe wurden noch deren Ende leicht mit einem Kugelfräser im Reitstock ausgehöhlt.
Fräsen der acht Seiten der Spillköpfe
Für das Sperrad wurde ein Stück 3 mm Plexiglas-Rundstab auf einen Durchmesser von 0,1 mm über dem Zieldurchmesser abgedreht. Die Geometrie des Sperrades wurde auf dem Computer ermittelt und ergab zehn Zähne mit einer Tiefe von 0.2 mm (= 32 mm bei Vorbild, was vernünftig erscheint). In der Uhrmacherei gibt es spezielle Sperradfräser, die auch leicht gebogene Zähne herstellen können. Die ich aber so etwas nicht habe, mußte ein kleinder Schwalbenschwanzfräser dafür reichen. Es geht ja nur um die Anmutung und nicht die Funktionalität. Für die Flansche wurden zwei 0,2 mm dicke Scheiben abgestochen.
Fräsen des Sperrades
Leider lassen sich diese durchsichtigen Teile nur schwer photographieren und, in der Tat, bei der Herstellung beobachten. Eine erste Schicht Farbe wird dann mögliche Fehler ans Tageslicht bringen …