Hallo Matthias, aus eigener Erfahrung weiss ich, wie schwierig es ist, die "cove" (Bucht) bei Schiffen dieser Epoche mit offener Galerie passend an Ort und Stelle hinein zu zaubern. Es ist Dir beeindruckend gelungen! Ein solch kompliziertes Arbeitsstück korrekt einzubauen erfordert hohe Präzision und dreidimensionale Vorstellungskraft, die Dir offensichtlich gegeben ist. Ich verneige mich.
Bewundernswert, mit welcher Raffinesse damalige Schiffe gestaltet waren. Und es ist auch eine Meisterleistung, wie Du das modelltechnisch umsetzt, Matthias! Dem Vorbild absolut gleichwertig.
Viele Grüße Alexander
Nicht das Beginnen wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten. (Katharina von Siena)
Liebe Modellbaufreunde, vielen Dank für Eure Rückmeldungen. Nach längerer Zeit gibt es auch von meiner Seite an dieser Stelle ein paar Fortschritte zu berichten. Da ich ein Heckspiegelmodell baue, wird es später ja mit dem Heckprospekt zum Betrachter stehen. Dabei hat es mich etwas gestört, dass man bei dem Blick in das Modell durch die Heckkabinen hindurch sozusagen ins Leere schaut. Um hier einen Abschluss zu finden, habe ich eine Rückwand hinzugefügt, die die fehlenden Schotts zum Schiffsinneren bildet. Im folgenden ein paar Bilder der ersten Ausbauschritte mit der Sitzbank vor den oberen Galeriefenster, den Decksbalken und der Rückwand:
Um später einen guten Blick in die Innenausstattung zu bekommen war es erforderlich, für eine Beleuchtung zu sorgen. Es gibt hier ja für den Modellbau zahlreiche Möglichkeiten, die mehr oder weniger kompliziert, aufwändig und teuer sind. Ich habe schließlich die denkbar primitivste Variante gewählt und eine Lichterkette bei Roßmann für 2,95 € erworben. Die kleinen LED-Lichter haben einen Durchmesser von ca. 3 mm, sehr dünne Kabel und sind im Abstand von 8 cm angeordnet. Ich habe für die Laternen und Petroleumlampen, die mir als Ausstattung so vorschwebten eine Zeichnung gemacht und Igor Capinos gebeten, diese in 3D zu zeichnen und zu drucken, was er, wie ich finde sehr schön umgesetzt hat.
Die Installation der Beleuchtung im oberen Teil des Modells ist recht gut gegangen, da ich dort noch Zugang von oben hatte, in der unteren Kabine ist es ein Kompromiss geworden, da ich die Kabel unter den Deckenbalken entlangführen musst, was natürlich nicht so schön ist.
Jetzt folgen einige Bilder der installierten Beleuchtung in beiden Ebenen:
Hier muss ich noch an der Passung der Rückwand arbeiten
Danach folgte die Fertigstellung des Achterdecks mit dem Versatz über dem gewölbten Baldachin. Meine Ausführung hier ist spekulativ, da das Originalmodell hier nicht den gebauten Zustand zeigt.
Ich habe ein Schottwand im vorderen Bereich eingesetzt und die obere Plattform mit einem Deck versehen. Später kommen dort nach Leiteraufgänge und Knie für die Halterung des Hackbords hinzu.
Abschließend noch ein paar Bilder des Gesamtmodells, wie es jetzt wirkt.
Das letzte Bild zeigt am ehesten die tatsächliche Lichtfarbe. Sie ist warmweiß und wird in den meisten Innenaufnahmen vom Handy stark übersteuert.
Viele Grüße, Matthias
In der Werft: Heckspiegelmodell TRE KRONER von 1742 dänisches Linienschiff
heute muss ich erst einmal eine Leiche aus dem Keller beseitigen, und zwar mein falsch gebautes Fenster der oberen Seitengalerie. Ich hatte hier ein Fenster, welches eigentlich mit Doppelsprosse vorgesehen war, versehentlich mit einer einzelnen mittigen Sprosse gebaut, welches zu liegenden Scheibenformaten geführt hat, die ansonsten alle stehend sein müssen. Schwierig ist die Sache insofern, als das Fenster eingeglast und unter Spannung rund gebogen ist. Also kam ein Austausch des gesamten Sprossenkreuzes nicht in Frage. Ich hätte das neue Fensterkreuz nie wieder sauber in die Rundung einfügen können. Es blieb also das vorsichtige Herausschneiden der Mittelsprosse und das Einsetzen neuer Sprossen. Anbei das Ergebnis:
Als nächstes habe ich mich dem Galeriegeländer gewidmet, eine Aufgabe, an der ich eine Weile herumgeknobelt habe, und die zumindest auf der Steuerbord-Seite auch noch nicht so ganz zufriedenstellend gelöst ist. Das Galeriegeländer besteht aus einer Balustrade, wie sie in vergleichbar aufwändigen barocken Balkon- oder Treppenanlagen vielfach in Stein zu bewundern ist. Mit mehrfachen Hohlkehlen und Verdickungen und Verjüngungen sind die einzelnen Galeriebaluster ausgeführt. Erschwerend kommt hinzu, dass sie verkippt werden, und zwar im Falle des Seitengalerie nach hinten und nach innen. Am Heck dann später nach hinten und nach außen. Man könnte sich die Sache jetzt einfach machen und alle gleich fertigen und entsprechend neigen. Das wird auch in der Architektur bei Treppen teilweise so gemacht. Dann kommen im Übergang zu den geneigten Aufstandsflächen einfach Keile drunter und drüber. Zur Verdeutlichung mal ein Zeichnung aus dem 17. Jahrhundert:
Da das Vorbild der TRE KRONER hier jedoch eine Verkippung aufweis, muss ich das natürlich auch versuchen.
Gezeichnet und ausgeschnitten habe ich dann die Verkippung nach hinten.
Auf der Kreissäge wurde die Profilierung grob vorgeschnitten und dann mit der Feile nachbearbeitet.
Die Neigung nach innen wurde so gut es geht an den Stirnseiten ebenfalls mit der Feile und dem Schnitzmesser angearbeitet.
Der Geländerholm wurde auf einer Lehre gezogen.
Zur Fixierung auf der Aufstandsfläche wurde eine Bohrung mit einem kleinen Holzdübel versehen. Schließlich wurde dann alles eingesetzt, ausgerichtet und mit dem oberen Geländerholm verleimt.
Die Neigungen stimmen teilweise nicht ganz. Wenn man das ganze zwei oder dreimal hintereinander baut, wird es vermutlich immer besser. Ich lasse das aber erst einmal so, da der Aufwand immens ist.,
Viele Grüße, Matthias
In der Werft: Heckspiegelmodell TRE KRONER von 1742 dänisches Linienschiff
Sprachlos! Allein die Erneuerung der Fensterkreuze (ohne Klebstoffreste!) erscheint mehr als diffizil. Von der Balustradenherstellung einmal ganz abgesehen. Welche Klebstoffe hast Du verwendet?
Danke für Euer positives Feedback!! Volker, ich benutze normalerweise Ponal express. Sehr gering dosiert mit dem Zahnstocher aufgetragen. Dann hat man noch ein gewisses Zeitfenster für Korrekturen. Für die Sprossen habe ich Sekundenkleber verwendet, da die Klebeflächen zu klein für Ponal waren. Grüße Matthias
In der Werft: Heckspiegelmodell TRE KRONER von 1742 dänisches Linienschiff