Das ist ein Standpunkt. Hat das Schlüsselfelder Modell Stufen im Deck? Ich konnte auf den mir zugänglichen Bildern nichts erkennen. Falls nicht, hat man die Wahl, welchem Aspekt man mehr Glauben schenkt. Für mich sieht das Modell so aus, als hätte der Autor nie ein Schiff mit eigenen Augen gesehen (was seine offensichtliche Kunstfertigkeit nicht kleinreden soll). Dabei sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass in den Bildnissen der Zeit Personen das wichtigste Thema eines Bildes waren und deshalb übergroß dargestellt wurden, wie z.B. auf dem Bergenfahrerbild der Marienkirche in Lübeck. Die tatsächliche Höhe unter dem Bogen würde ich nicht von dargestellten Figuren ableiten.
bis denne Willi
Es ist nicht alles falsch, was man nicht versteht.
Die Ladepforte liegt dann unterhalb des Hauptdecks, also im Bereich des Orlops (oder eines Zwischendecks). Dieses Deck würde ich im Bereich des dritten Bergholzes unter den Klüsen anlegen, dann passt das mit der Ladeluke hervorragend. Ob diese dann dem Decksboden oder der Decke näher ist, oder die ganze Höhe des Orlopdecks einnimmt, ist eigentlich egal. Dies wiederum gibt einem die Möglichkeit, sie innerhalb der Höhe des Decks ein bisschen zu verschieben, so dass es mit den überlieferten Ansichten bestmöglich übereinstimmt.
Edit: In dem Stich "Kraek" von WA würde ich den Abstand der Berghölzer mittschiffs als etwa 80-90cm annehmen, also halbe Mannlänge. Orientiert man den Decksverlauf tatsächlich an ihnen, käme die Ruderpinne etwa auf halber Höhe des Orlopdecks aus- eine gute Bedienhöhe.
Edit2: Sind Decksverlauf und der Verlauf der Berghölzer identisch, können diese mit den Balkweegern verbolzt werden und ergeben einen sehr festen Längsverband.
bis denne Willi
Es ist nicht alles falsch, was man nicht versteht.
Ich habe mir die Querschnitte der Mary Rose angesehen. Dort liegen nur die Balkweeger des Orlops auf der gleichen Höhe wie das Barkholz. Dadurch liegt dort die Oberkante Deck etwa mittig zwischen den beiden unteren Barkhölzern, da ja auf dem Balkweeger erstmal die Decksbalken aufliegen, die ja ihre Dicke haben. Das lässt sich zwar auch bei unserem Entwurf für das Orlopdeck so machen, passt dann aber nicht zur Ladepforte die bündig mit dem Barkholz beginnt.
Zitat von bela im Beitrag #109Das lässt sich zwar auch bei unserem Entwurf für das Orlopdeck so machen, passt dann aber nicht zur Ladepforte die bündig mit dem Barkholz beginnt.
Das könnte bedeuten, dass die Übereinstimmung der Berghölzer und den Balkweegern nicht über die gesamte Schiffslänge reichte. Nach achtern zu verzeichnen die Berghölzer ja einen guten Aufwärtsschwung. Dem mit dem Deck zu folgen, ergäbe eine wenig praktische Steigung. Es könnte also sein, dass der Balkweeger in diesem Bereich den Aufwärtsschwung nicht mehr in dem selben Maße folgt. Dies gilt auch für einige jüngere Schiffe, wie man an Zeichnungen der van der Veldes anhand des Verlaufs der Pfortenreihen und der Berghölzer sehen kann.
bis denne Willi
Es ist nicht alles falsch, was man nicht versteht.
Das Orlop in der größten Breite. 6,5 Lüttischer Fuß darüber das Oberdeck Die Kuhlabdeckung am tiefsten Punkt auf Schulterhöhe. Unter dem Vorderkastell viel Luftraum, aber ein hohes Kastell war ja wohl zur Verteidigung wichtig. Das einzige, das sich sperrt ist die Situation unter dem Heckkastell im Zusammenhang mit den darunter befindlichen Geschützen und den Toilettenhäuschen. Da fällt mir nichts überzeugendes ein.
Bela , das sieht recht einleuchtend aus . Dieser abgetrennt geschaffene Raum mit Stufe könnte ein Raum für die Schiffsführung sein . Für höherrangige Offiziere und den Kapitän . Die Toilettenhäuschen am Heck sind natürlich nur diesen vorbehalten . Für das Fußvolk gibt es Abtritte mit Abflussrohr in der Zwickelplatte am Heck . Siehe Mondfeld-Nao . Oder wenns plötzlich ganz schnell gehen muss - gleich in die Hose oder den Allerwertesten über Bord gehängt .
Da wir uns hier sowieso völlig im Spekulativen bewegen, können wir diese Lösung ja weiterverfolgen. Auf unserer Stich sind 4 mutmaßliche Kanonen in diesem Bereich zu erkennen. Es kommen meiner Ansicht nach nur leichte Schwenkgeschütze, Bases oder Fowlers in Frage. Einige vor diesem Raum in Brusthöhe und einige auf dem Deck über dem Raum in Kniehöhe. Ob das realistisch ist, wer weiß?
Ich frage mich, ob ich das ganze Innere überhaupt zeichnen muss oder nur Modellrelevantes.
Das Oberdeck und die Kastelle. Damit käme die Frage nach der Mastfischung und Luken. Mastfischung mit langen Keilen rundum oder nicht? Thema Luken: Es gibt die These, die Ladeluke in der Bordwand schließe eine Luke im Deck aus, so wie beim Schlüsselfelder-Modell zu sehen. Irgendwo wird es aber zumindest Durchlässe für die Ankerkabel und zum Hinabsteigen gegeben haben.
Super Fortschritte , Bela . Alles oder nichts - Zeichne bitte ruhig bis ins Detail . Wie du schon schreibst ; wir bewegen uns im Spekulativen . Zwei Luken für die Ankerkabel würde ich vorsehen . Eine große Luke auf dem Hauptdeck auch . Den Großmast würde ich von der Dicke etwas überdimensionieren . Mastfischung mit langen Keilen - unbedingt . Siehe Mondfeld ; der zeigt drei Varianten von Großmastfischung . Und überhaupt könnte man sich bei den ganzen Innereien bei der Mondfeld-Nao umschauen . Gleiches Zeitfenster . Eine Nao ist nichts anderes als eine Karracke im südlichen Raum . Das liest man bei Springmann . Bei den Geschützen würde ich Svivel-Guns vorsehen . Als schwere Geschütze dann Kammerstücke auf Blocklafette . Mit oder ohne Räder . Beides wäre möglich .
Ich bin gerade im "Alten Land" im Urlaub und habe im Schwedenspeicher zu Stade dieses schöne Modell gesehen:
Ich habe keine Informationen zum Erbauer bzw. den verwendeten Plänen, aber das hat schon professionell ausgeschaut. Vielleicht kennt ihr das ja aber schon Grüße, Torsten
Das schaut nach der Koschwitz-Karracke aus . Zumindest nach den Plänen von Koschwitz. Ich mache das an der fehlenden und von Koschwitz vehement ignorierten Ladepforte fest .